Ayse, die allein gelassen wurde

Berlin – Die Geschichte von Ayse ist ein Schlag in die Magengegend. Die 19-Jährige und ihre Familie kamen illegal aus der Türkei nach Deutschland. Doch nach Jahren des Aufbaus, der Integration und des Steuerzahls hatte die Familie plötzlich und unerwartet auseinandergerissen werden müssen.

Die botschaft der polizei

Die botschaft der polizei

„Vor einem Monat standen um 5 Uhr morgens zehn Polizeibeamte in unserer Wohnung, packten Sachen von meinem Vater und meinen Geschwistern in Müllbeutel und fuhren sie zum Flughafen“, erzählt Ayse.

Der Asylantrag der Familie war vor fünf Jahren abgelehnt worden, ihre Duldung lief vor drei Monaten ab. Trotzdem hatten Eltern und Kinder sich darum bemüht, bleiben zu dürfen und hatten alle Anträge gestellt und eingereicht.

„Es ist eine Katastrophe, ich bin traumatisiert“, sagt Ayse zu Paul Ronzheimer. Ihre Eltern mussten nach der Aktion der Polizei in die Türkei zurückgeführt werden, Ayse bleibt vorerst in Deutschland, da sie eine Ausbildung zur Pflegefachkraft macht.

„Es ist schlimm, dass meine Tochter jetzt allein ist“, sagt ihr Vater auf Deutsch, als Ronzheimer ihn anruft. Die junge Frau muss weinen, weil sie weiß: Sie wird ihre Familie über viele Jahre nur per Videocall sehen können.

Paul Ronzheimer resümiert: „Mir tut Ayse leid, sie vermisst ihre Familie. Wenn man diese Geschichte hört, kommen sofort Szenen hoch, die man an anderen Orten in Deutschland sieht. Ich stelle mir die Frage: Warum wurde der jetzt nicht abgeschoben und bei so einer Familie kommt morgens die Polizei? Hier ist die Migration gescheitert – aber wohl eher von unserer Seite.“