Bellevue-schloss: milliarden-sanierung droht – steinmeier zieht aus
Berlin steht vor einem gigantischen Problem: Die Grundsanierung des Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, wird voraussichtlich 601 Millionen Euro kosten. Eine Summe, die mit weiteren Kostensteigerungen und Risikopuffer die Milliarden-Marke gefährdet.

Steinmeier flieht in die märchenwelt: moritzburg als ausweichquartier
Während in Berlin Rohre und Dächer marode sind, muss Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bis zum Sommer ausziehen. Das Ausweichquartier in einem Büro-Modulbau an der Spree kostet rund 200 Millionen Euro – eine bescheidene Lösung, wie Sachsens Kultusminister Conrad Clemens findet.
Doch Clemens schlägt eine radikale Alternative vor: den Umzug nach Schloss Moritzburg bei Dresden, dem berühmten Bau, der als Kulisse für den Weihnachtsfilm „Aschenbrödel“ diente. Das barocke Schloss, einst Jagdhaus des Herzogs Moritz von Sachsen, bietet eine Pracht, die dem provisorischen Bürogebäude in Berlin kaum gewachsen ist.
Die Idee ist nicht nur charmant, sondern auch politisch kalkuliert. Ein zeitweiliger Amtssitz im Osten signalisiert die Einheit des Landes. Zudem liegt Moritzburg nur etwa anderthalb Stunden von Berlin entfernt, was die Pendelfahrt mit der Präsidentenlimousine zumindest organisatorisch möglich macht.
Die Probleme in Bellevue sind vielfältig: Undichtigkeiten, fehlende Tragfähigkeit der Decken und veraltete Sicherheitsstandards. Im Gegensatz dazu ist Moritzburg zwar ein beliebtes Drehort, aber zumindest in Bezug auf den Explosionsschutz nachrüstbar. Die Sanierung in Berlin scheint angesichts der Kosten ein wahrer Mammutprozess zu werden. Die Staatsbesuche werden wohl vorerst in Moritzburg stattfinden.
Die Bundespräsidentenwahl findet am 30. Januar 2027 statt. Bis dahin wird erst einmal in Berlin gebohrt, gehärtet und gedämmt. Und während die Entscheidung über die Finanzierung letztlich vom Haushaltsausschuss abhängt, ist die Vorstellung eines Bundespräsidenten, der acht Jahre zwischen Jagdschloss und Schlossteich residiert, durchaus reizvoll. Die goldene Kutsche wirkt im Vergleich zu den Sanierungskosten fast wie eine Sparmaßnahme.
Sachsens Kultusminister Conrad Clemens sieht das Ausweichquartier als „unwürdig“ für den Bundespräsidenten. Aber vielleicht ist es genau das Richtige: Ein Symbol für eine neue Ära der deutschen Politik – eine, in der die Vergangenheit nicht nur bewahrt, sondern auch genutzt wird.
Die Sanierung von Schloss Bellevue wird voraussichtlich mindestens acht Jahre dauern. Ein Zeitraum, der länger ist als viele politische Legislaturperioden. Währenddessen wird sich der Bundespräsident in einen anderen Teil Deutschlands zurückziehen – und die Welt wird abwarten, was die Zukunft bringt.