Castrop glänzt – doch gladbach stolpert erneut

Köln – Ein Mann, drei Akte: Jens Castrop, gerade einmal 22 Jahre alt, war beim 3:3 gegen Köln der unbestrittene Mann des Abends. Tore, Vorlagen, eine Leistung, die normalerweise für überschlagene Runden in den Medien sorgen würde. Doch die Euphorie verpufft, denn auch gegen Heidenheim (2:2) war der junge Offensivspieler maßgeblich beteiligt – und doch unzufrieden. Eine seltsame Diskrepanz, die mehr über die Probleme des gesamten Teams aussagt.

Die selbstkritik eines aufstrebenden talents

Castrop selbst nimmt sich selbst nicht zu ernst. „Ein ordentliches Spiel“, urteilte er nach dem Remis gegen Heidenheim, „aber ich hätte auch ein überragendes spielen können, wenn ich ein bisschen frischer gewesen wäre.“ Eine ehrliche Analyse, die zeigt, dass der Nachwuchsspieler nicht in Selbstlob verfällt. Er weiß, dass Potential vorhanden ist, aber dass es noch Luft nach oben gibt. Er spricht von Wachenheit, von Konzentration – von Kleinigkeiten, die oft den Unterschied ausmachen.

Die Tatsache, dass er an vier der letzten fünf Fohlen-Treffer beteiligt war, spricht für sein Können. Doch die Resultate stimmen nicht. Der Druck, der auf dem jungen Mann lastet, ist kaum zu übersehen. Er ist der neue „Fohlen-Antreiber“, wie ihn einige Medien bereits nennen – und das mit nur 22 Jahren.

Ein mentalitätsproblem? castrop widerspricht

Ein mentalitätsproblem? castrop widerspricht

Der Blick auf die Tabelle ist ernüchternd. Gegen den Tabellenletzten Heidenheim hätte ein Sieg „Pflicht“ gewesen sein, so Castrop unmissverständlich. Die Enttäuschung ist spürbar. „Wir waren nicht aufmerksam genug und haben dumme Fehler gemacht“, kritisiert er offen. Besonders die erste Halbzeit sei „wackelig“ gewesen. Die zweite Hälfte lief nicht wie geplant.

Aber Castrop weist entschieden zurück, dass es sich um ein Mentalitätsproblem handelt. „Es wirkt von außen immer so, dass es eine Einstellungsfrage ist. Aber die Mannschaft hat eine gute Einstellung. Wir waren alle richtig heiß.“ Die Einstellung sei nicht das Problem, sondern das Ausleben auf dem Platz. „Wir müssen es nächste Woche in der Bundesliga einfach besser auf den Platz bekommen.“

Der Kontrast ist frappierend: Ein junger Spieler, der selbstkritisch auf seine Leistung reflektiert, während das Team als Ganzes scheinbar an der Umsetzung seiner Ambitionen scheitert. Die Frage ist nicht, ob Castrop das Potential hat, ein entscheidender Spieler für Borussia Mönchengladbach zu werden, sondern ob er in der Lage sein wird, das Team mitzuziehen, wenn es am wichtigsten ist. Der Druck wächst, und die nächste Aufgabe steht schon vor der Tür.