Christen in ägypten: ein neues verhältnis zwischen staat und kirche?

Die Kuppel der Michael Angel Church ragt über Luxor hinaus – groß, hell und fast monumental mitten in der staubigen Stadt.

Ägyptens christliche minderheit: zwischen diskriminierung und integration

Ägyptens christliche minderheit: zwischen diskriminierung und integration

Die Kirche ist geweiht, aber nicht fertig. Ein Ort zwischen Vollendung und Baustelle. Sie symbolisiert ein neues Verhältnis zwischen Staat und Christen in Ägypten.

Christen im Nahen Osten sind seit vielen Jahren Verfolgung und Ausgrenzung ausgesetzt. Besonders massiv in den lange von Kriegen gezeichneten Staaten wie Syrien oder Irak. Doch im Libanon – einst das einzige mehrheitlich christlich geprägte Land im Nahen Osten – hat sich die Demografie zugunsten der Muslime verschoben.

Trotzdem sind Ägyptens Kopten die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten. Ihre Geschichte ist geprägt von Diskriminierung, aber auch von Verwurzelung. Armut, fehlende internationale Netzwerke – und eine tiefe Bindung an das Land halten viele hier, trotz Phasen von Verfolgung.

Die begannen vor allem während der Regierungszeit von Präsident Anwar as-Sadat. Er betonte immer wieder, er sei ein muslimischer Präsident eines muslimischen Landes. Dazu kamen konservativ-islamische Strömungen, religiös-konservative Vorstellungen, die ägyptische Gastarbeiter aus den Golfstaaten mitbrachten, sowie später das Erstarken des IS.

Seit den 1990er Jahren kam es immer häufiger zu Anschlägen auf Kopten und Kirchen. Einen Höhepunkt erreichte die Gewalt nach dem Sturz von as-Sadats Amtsnachfolger Hosni Mubarak 2011. Unter Präsident Mohamed Mursi, der als Muslimbruder nach dem Arabischen Frühling eine weitergehende Islamisierung ankündigte, wurden viele Kopten getötet.

Nach dem Militärputsch 2013 und dem Machtantritt von Abd al-Fattah as-Sisi hat sich die Lage geändert. Kirchen werden seitdem – wie andere öffentliche Einrichtungen – durch Sicherheitspersonal geschützt, und Sisi betonte wiederholt die Einheit von Christen und Muslimen.

Seit 2018 gab es kaum noch Anschläge auf Kopten. Tausende Kirchen wurden anerkannt. Präsident Abdel Fattah el-Sisi präsentiert diese Entwicklung als Zeichen nationaler Einheit.

Die Einbindung der Kopten ist Teil einer größeren politischen Strategie. Nach den turbulenten Jahren der Muslimbruderschaft-Herrschaft setzt die Regierung auf Kontrolle, Ordnung und nationale Einheit. Religiöse Minderheiten spielen dabei eine doppelte Rolle: Sie sind Schutzobjekt – und zugleich Beleg für die behauptete Toleranz des Systems.

Mit der Weihnachtsmesse 2019 sagte el-Sisi: