Christoph daum: das vermächtnis eines trainers – ein blick in sein büro
Die Fußballwelt trauert um eine Ikone: Christoph Daum, einer der prägendsten Trainer der Bundesliga-Geschichte, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Nun öffnet seine Witwe Angelica Camm-Daum erstmals die Türen zu seinem privaten Arbeitszimmer – und enthüllt eine Fülle von Fußballgeschichte.
Ein reich der erinnerungen und pläne
Das Büro des ehemaligen Bundestrainer-Kandidaten in einer Villa im Kölner Süden ist mehr als nur ein Raum: Es ist eine Zeitkapsel, gefüllt mit Erinnerungen, Notizen und unvollendeten Träumen. Eine handschriftliche Notiz vom Januar 2000, die als «Fahrplan zur deutschen Meisterschaft» betitelt ist, offenbart die Ambitionen eines Mannes, der die deutsche Fußballlandschaft nachhaltig prägte.
„Ich habe nach diesem Ereignis damals immer gesagt, die Geschichte schuldet Bayer Leverkusen eine Deutsche Meisterschaft. Und seit ich verantwortlich bin, war es immer mein Ziel, diesen Kreis zu schließen“, sagt Fernando Carro, der aktuelle Geschäftsführer von Bayer Leverkusen. Er, der Daum zwar nie direkt leitete, kennt dessen Verdienste um den Erfolg des Vereins bis heute.

Die schwierigkeit des trainerberufs – ein mann vieler facetten
Carro beschreibt Daum als einen Mann von außergewöhnlicher Vielseitigkeit: „Du musst etwas haben von Magier, Realist, Diktator, Schauspieler, Schlitzohr, Seelentröster, Teamarbeit, Visionär, Strategie, Entscheider.“ Diese Bandbreite, so Carro, macht den Trainerjob zu einem der schwierigsten im Fußball. Daum scheute sich nicht vor Kontroversen, insbesondere nicht gegenüber dem FC Bayern und Uli Hoeneß – mit denen er später jedoch wieder versöhnte.
Ein Blick in die Aktenrevealt, wie nah Daum 2001 an der Nachfolge von Rudi Völler als Bundestrainer war. Die DFB-Spitze hatte sogar ein Pokalfinale so terminiert, dass Daum danach direkt zur Nationalmannschaft wechseln konnte. Doch die Kokainaffäre zerstörte seinen Traum.

Mehr als nur ein meistertrainer – ein visionär mit weitblick
Daum hält einen Rekord, den wohl kaum jemand brechen wird: Er gewann als Trainer des VfB Stuttgart die deutsche Meisterschaft erst nach 38 Spielen, nicht nach den üblichen 34. Dies lag an der Aufstockung der Bundesliga im Jahr 1991/92 aufgrund der deutschen Wiedervereinigung.
„Ich glaube, dass 18 Mannschaften besser sind als 20. Weil du vier Spieltage weniger hast, weil du etwas weniger Belastung für die Spieler hast, weil wir international spielen und weil auch die Notwendigkeit nicht vorhanden ist, noch mehr Spiele zu machen“, erklärt Daum in einer Notiz. Seine Meinung zur aktuellen Bundesliga-Dominanz des FC Bayern ist scharf: „Mich ärgert es, dass die Bayern die Liga zurzeit so dominieren und die Wahrscheinlichkeiten des Erfolges von Bayern so hoch sind.“
Die Daum-Schätze – Aktenordner voller Fußballwissen – sollen nun in ein Sportmuseum gelangen. Bayer 04 Leverkusen hat bereits Interesse bekundet. Die Witwe und die Familie haben die Entscheidung jedoch noch nicht getroffen. Mit Christoph Daum verliert der deutsche Fußball eine seiner prägendsten Figuren – einen Mann, der mit seiner Leidenschaft und seinem unkonventionellen Ansatz Generationen von Fußballfans begeistert hat.
Sein Vermächtnis ist nicht nur in Trophäen und Meistertiteln messbar, sondern in der Art und Weise, wie er das Spiel verstand und die Menschen um sich herum beeinflusste. Ein Mann, der die Welt des Fußballs für immer verändert hat.
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