Dresden: eskalation im derby – sicherheitslücken offenbart
Die Bilder von Samstagabend im Rudolf-Harbig-Stadion sind erschütternd: Hooligan-Gewalt, Pyrotechnik, chaotische Zustände. Dynamo Dresden gegen Hertha BSC – ein Spiel, das eigentlich zur Tradition gehört hätte, endete in einer Eskalation, die Fragen nach dem Sicherheitskonzept und den Verantwortlichkeiten aufwirft. Es geht nicht nur um ein paar aufgeheizte Köpfe, sondern um strukturelle Schwächen, die von beiden Seiten ausgenutzt wurden.
Ein stadion, das eigentlich sicher sein sollte
Die Dresdner Arena gilt seit ihrer Eröffnung im Jahr 2009 als bewährt im Umgang mit Risikospielen. Bisherige Hochrisiko-Begegnungen verliefen ohne derartige Szenarien. Doch die Ereignisse von Samstagabend zeigen, dass eine Routine zur Falle werden kann, wenn sie nicht kritisch hinterfragt und an neue Gegebenheiten angepasst wird. Die Verantwortlichen müssen sich eingestehen, dass das Konzept versagt hat.
Ein entscheidender Punkt ist die Gestaltung des Gästebereichs. Aufgrund der 10-Prozent-Regel der DFL, die ein Kontingent von rund 3000 Hertha-Fans ermöglichte, wurde der Bereich um einen schmalen Teilblock des Heimbereichs erweitert. Dieser war jedoch nicht durch Plexiglas abgetrennt – ein fataler Fehler, der es den Hertha-Ultras ermöglichte, mit einem einfachen Sprung in den Innenraum zu gelangen. Ein Durchbruch im Plexiglas ließ die Berliner zudem ungehindert zwischen ihren Blöcken agieren und sich frei bewegen.
Aber es ist nicht nur die bauliche Schwachstelle, die die Polizei vor Probleme stellte. Auch das Security-Personal wirkte überfordert. In den entscheidenden Momenten, als sich die Fangruppen auf dem Spielfeld trafen, fehlte es an ausreichend Ordnern direkt vor dem Hertha-Block. Die vorhandenen schienen nicht auf eine solche Extremsituation vorbereitet zu sein, trotz der Anwesenheit eigener Ordner der Berliner.

Die polizei – zu langsam im einsatz?
Auch das Verhalten der Polizei wird kritisch hinterfragt. Obwohl 750 Beamte im Einsatz waren, wirkte das Auflaufen zu verzögert. Die Dynamo-Hooligans hatten bereits die Hertha-Kurve erreicht, bevor die Polizei einschreiten konnte. Die Tatsache, dass die Dresdner nicht den direkten Weg zum Spielfeld nahmen, sondern um den Platz rannten, deutet darauf hin, dass sie die Verzögerung der Polizei spürten und entsprechend vorsichtig handelten. Erst nach den Vorfällen wurden Polizisten direkt an den Stadionzugängen positioniert – eine Maßnahme, die zu spät kam.
Die Menge an Pyrotechnik, die von den Hertha-Fans ins Stadion geschmuggelt wurde, wirft ebenfalls Fragen auf. Auch wenn intensive Kontrollen nicht verhindern können, dass Bengalos oder Raketen mit ins Stadion gelangen, ist die extreme Menge in Dresden alarmierend. Die dichte Verneblung erschwerte nicht nur die Sicht der Sicherheitskräfte, sondern könnte auch in Zusammenhang mit den vermuteten Banner-Diebstählen und der darauffolgenden Eskalation stehen. Es ist offensichtlich, dass die Sicherheitsvorkehrungen in dieser Hinsicht nicht ausreichend waren.

Die dfl im visier – zeit für eine überprüfung?
Die 10-Prozent-Regel der DFL gerät nun in die Kritik. Wenn diese bei einer Hochrisiko-Begegnung nicht erfüllt werden kann, ohne die Sicherheit im Stadion zu gefährden, muss generell über Reduzierungen für den Heimverein gesprochen werden. Es bedarf einer flexibleren Anpassung an die spezifische Situation vor Ort. Die Verbände müssen sich der Verantwortung stellen und ihre Auflagen überprüfen. Die Politik wird ebenfalls ein Auge auf die Angelegenheit haben.
Die Ereignisse in Dresden sind ein Weckruf. Es geht nicht darum, einzelne Personen zu bestrafen, sondern darum, die Ursachen zu analysieren und das Sicherheitskonzept grundlegend zu überarbeiten. Die Fans haben gezeigt, dass sie bereit sind, Grenzen zu überschreiten, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Es liegt nun an den Verbänden und den Vereinen, die Zeichen zu erkennen und gegenzusteuern, bevor sich eine ähnliche Situation wiederholt. Denn eines ist klar: Die Gewalt von Samstagabend ist nicht länger tolerierbar.
