Dresden: pyro-chaos stoppt spiel – doch schiedsrichter hält durch

Dresden tobte am Sonntagnachmittag: Zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC eskalierte die Stimmung, Pyrotechnik wurde gezündet, Fans stürmten den Platz. Ein Polizeieinsatz von einer Viertelstunde war nötig, um die Lage zu beruhigen. Ungewöhnlich: Das Spiel wurde trotz der chaotischen Szenen fortgesetzt. Wie konnte das geschehen?

Der uefa-notfallplan: ein dreistufen-system

Der uefa-notfallplan: ein dreistufen-system

Die Antwort liegt in einem von der UEFA im Jahr 2011 eingeführten Dreistufenplan, der dazu dienen soll, Spieler und Mannschaften vor Diskriminierung und Gewalt zu schützen. Das System ist darauf ausgelegt, deeskalierend zu wirken und dem Schiedsrichter die Möglichkeit zu geben, das Spiel zu beenden, wenn die Situation eskaliert – aber eben auch, es trotz allem fortzusetzen, solange die Sicherheit gewährleistet werden kann. Es ist ein Balanceakt, der in Dresden auf eine harte Probe gestellt wurde.

Im ersten Schritt, dem sogenannten „Warnhinweis“, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel und fordert die Fans über die Lautsprecheranlage auf, sich zu beruhigen. In Dresden wurde das Spiel zunächst aufgrund des dichten Pyrorauchs unterbrochen. Doch die Lage verschlimmerte sich nach Wiederaufnahme des Spiels dramatisch: Pyrotechnik flog zwischen den Fanlagern, und Anhänger beider Mannschaften drangen in den Innenraum ein. Die Spieler mussten in die Kabinen, eine zweite Ansage erfolgte.

Die dritte Stufe, die finale Eskalation, hätte den endgültigen Abbruch des Spiels zur Folge gehabt. Doch es kam nicht dazu. Die Lage beruhigte sich nach der Unterbrechung soweit, dass Schiedsrichter Sven Jablonski das Zwiebelpiel fortsetzen konnte. Hertha BSC gewann am Ende knapp mit 1:0.

Trainer Stefan Leitl von Hertha BSC betonte nach dem Spiel, dass der Dreistufenplan korrekt angewendet wurde. „Das Ziel war klar vom Schiedsrichterteam, das Spiel auch weiterzuführen“, erklärte er. Auch DFL-Boss Dr. Peter Görlich lobte die besonnene Vorgehensweise der Schiedsrichter, die ihm laut eigenen Angaben deutlich signalisiert hätten, dass bei der nächsten Verfehlung das Spiel abgebrochen würde.

Die Ereignisse in Dresden werfen jedoch Fragen auf. Wie viel Toleranz ist angesichts solcher Szenen noch akzeptabel? Und welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um ein solches Eskalationspotential in Zukunft zu verhindern? Die Antwort auf diese Fragen liegt nicht allein beim Schiedsrichterteam, sondern bei allen Beteiligten – Vereinen, Fans und Behörden gleichermaßen. Denn die Würde des Sports und die Sicherheit aller Beteiligten dürfen nicht länger aufs Spiel gesetzt werden.