Drohnenanschlag Leipzig: Innenminister Dobrindt umschrieb Russland?
Berlin/Leipzig – Wusste Bundesinnenminister Alexander Dobrindt mehr über den versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle, als er zugab? Der Minister trat am Mittwochabend mit erheblicher Verspätung vor die Presse und sprach von einer „neuen Gefahrenqualität“ und einem „hybriden Anschlagsszenario“.
Experten vermuten Zurückhaltung bei der Nennung Russlands
Dobrindt erwähnte „fremde Mächte“, die zu „erheblicher Verunsicherung in Deutschland beitragen“ wollen, vermied es aber, Russland direkt zu nennen. Sicherheitsexperte Peter Neumann (CDU) äußerte im Podcast von Paul Ronzheimer, dass Dobrindt ursprünglich von Russland sprechen wollte, dies aber auf Anraten seines Umfelds unterließ. Neumann betonte, dass Dobrindts Aussagen über „fremde Mächte“ und „hybride Bedrohung“ verschlüsselt über Russland sprachen, da „hybrider Krieg“ eine Doktrin Russlands sei.

Was bedeutet hybride Kriegsführung?
Hybride Kriegsführung bedeutet, dass ein Staat einen anderen nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Hackern, Desinformation, Sabotage und Spionage angreift, um Angst zu schüren und ein Land zu destabilisieren, ohne einen offenen Krieg zu beginnen.
Neumann geht davon aus, dass Dobrindt konkreter über Russland sprechen wollte, man ihn aber davon überzeugt habe, dies nicht zu tun, was möglicherweise zur zweistündigen Verspätung der Pressekonferenz beitrug. Ein öffentliches Benennen Russlands als Täter hätte konkrete Beweise und Antworten auf Konsequenzen erfordert.

Warnung vor weiteren Angriffen und Notwendigkeit schneller Maßnahmen
Neumann warnte vor weiteren Drohnenanschlägen, die noch „provokanter und aggressiver“ sein könnten. Er forderte schnelles Handeln, die Klärung von Zuständigkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Beschaffung von Drohnenerkennungssystemen. Ein „ganz klares Signal Richtung Russland“ sei notwendig, um zu vermeiden, dass die Zurückhaltung als „Signal der Schwäche“ interpretiert wird und weitere Angriffe provoziert.
