Fischer: nato am scheideweg – europa als einzige option
Joschka Fischer, einst als Deutschlands Top-Diplomat und Chef der Grünen, wirft nun ein ernstes Fragezeichen hinter die Zukunft der NATO. Seine Worte in einem Interview mit dem Spiegel sind keinesfalls ein optimistischer Ausblick.
Zweifel an der bündnistruppe – trump als ‘tief unsympathischer’ mann
Der ehemalige Außenminister äußert offen seine Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Militärbündnisses, selbst angesichts der aktuellen globalen Lage. Seine Ablehnung gegenüber dem US-Präsidenten, den er als ‘tief unsympathisch’ bezeichnet, ist unmissverständlich. Fischer betont, dass Washington sich unter Trump auf ‘breiter Schleimspur’ nähert – eine Formulierung, die wenig Verständnis lässt.
Die Absage von Merz an eine Kriegsbeteiligung wird hingegen als ‘kluge Entscheidung’ gewertet. Der Krieg, so Fischer, ist ein ‘Fiasko’ und hat bisher keine nennenswerte Errungenschaft gebracht. Das Regime sei ‘noch radikaler geworden’ und die Entscheidung Trumps zur Aufhebung des Atomabkommens von Obama ein ‘schwerer strategischer Fehler’.
‘Das Vertrauen ist weg’, erklärt Fischer eindringlich. Eine Regierungswechsel in Washington allein sei nicht ausreichend, um dieses Vertrauensverhältnis zu reparieren. Die USA seien künftig nicht mehr auf ihre Loyalität zu zählen. Die NATO in ihrer gegenwärtigen Form müsse demnach am Scheideweg stehen.

Europäische variante als notlösung
Als alternative Lösung plädiert Fischer für eine europäische Variante der Bündnisstruktur. Doch seine Warnungen sind ernst: ‘Wenn Trump den nuklearen Schutzschirm entzieht – und diese Möglichkeit besteht –, wird diese Debatte unabweisbar sein.’ Er fordert den Aufbau einer eigenen Abschreckung gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien.
Gleichzeitig mahnt Fischer zur Vorsicht und betont, dass Deutschland ‘niemals im Alleingang handeln’ dürfe, angesichts seiner eigenen Geschichte. Auch das Verhalten Wladimir Putins wird nicht positiv bewertet: ‘Ich habe ihm nie getraut.’ Die Brutalität des russischen Systems sei früh erkennbar gewesen, und der Nachhall des Kalten Krieges mit der Hoffnung auf dauerhaften Frieden sei eine ‘Illusion’ gewesen.
‘Die einzige Option, die uns bleibt, ist Europa’, fasst Fischer sein Fazit mit düsterer Deutlichkeit zusammen. Er kritisiert scharf die EU und sieht darin ‘Bla-bla-Institutionen, die mich krank machen’. Die Bundesregierung müsse sich ‘erst einmal besser und stärker aufstellen’ – und zwar militärisch. Der ehemalige Außenminister deutet mit Nachdruck auf eine atomare Aufrüstung hin. Die Situation erfordert eine entschiedene Haltung, keine zögerlichen Kompromisse. Die Realität ist, dass wir uns nicht länger auf die Unterstützung der USA verlassen können. Die Zeiten haben sich geändert, und wir müssen unsere eigene Sicherheit selbst in die Hand nehmen. Es ist eine Notwendigkeit, kein Wunschmärchen – und die Antwort liegt in einer vereinten und starken europäischen Verteidigungspolitik.