Friedenau: 40 jahre la belle – die narben bleiben tief
Berlin, Friedenau – 40 Jahre ist es her, seitdem der Terror die Friedenauer Hauptstraße erschütterte. Viele Berliner vergessen diese Nacht vom 4. April 1986 bis heute nicht. Die Erinnerung quält, die Albträume kehren zurück, wie Heino Möhring (72) bezeugt. Ein Anschlag, der nicht nur zwei Menschen das Leben kostete und hunderte verletzte, sondern auch ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte aufschlug – ein Kapitel, in dem die DDR über die Pläne informiert war, es aber versäumte, zu handeln.

Ein beben in der friedenauer nacht
Es war der 5. April 1986, kurz nach 1:45 Uhr, als die Explosion in der Diskothek „La Belle“ die Nacht in ein Inferno verwandelte. Drei Kilogramm Sprengstoff, gefüllt mit Eisenstücken und Nägeln, wurden in einem Papierkorb platziert. Die Detonation riss Heino Möhring, der als Kellner im „La Belle“ arbeitete, aus seinen Grundfesten. „Ich stehe am Ende des Tresens, darunter liegt die Bombe in einem Papierkorb. Plötzlich wird es ganz grell und heiß. Die Druckwelle reißt mich um. Mein Bein ist warm und nass, überall Blut. Mit meinem Gürtel binde ich mir das Bein ab. Und dann kracht die Decke über mir runter.“
Die Disco, ein beliebter Treffpunkt für Berliner und insbesondere US-Soldaten, wurde in diesem Moment zum Schauplatz des Grauens. Kenneth T. Ford und Nermin Hannay starben sofort, ein weiterer US-Soldat, James E. Goins, erlag seinen Verletzungen kurz darauf im Krankenhaus. Über 250 Menschen erlitten Trommelfellverletzungen, 28 wurden schwer verletzt. Möhring selbst kämpft bis heute mit den psychischen und physischen Folgen.
Die Schuldfrage: Von Gaddafi zur DDR
Die USA warfen unmittelbar nach dem Anschlag Muammar al-Gaddafi vor, den Anschlag angeordnet zu haben. Doch die Wahrheit war komplexer. Erst nach der Wende kamen Stasi-Akten ans Licht, die belegten, dass die DDR von der geplanten Tat wusste und nicht handelte. Ein Versagen, das bis heute nachwirkt.
Es vergingen 18 lange Jahre, bis im November 2001 ein rechtskräftiges Urteil fiel. Verena Chanaa und drei weitere Täter wurden zu Haftstrafen von 12 bis 14 Jahren verurteilt. Die juristische Aufarbeitung brachte zwar eine Art Abschluss, doch die Wunden blieben offen. Möhring erhielt im Rahmen einer Entschädigungszahlung 200.000 Euro – ein Betrag, der den Schmerz und das Leid der Nacht nicht auslöschen konnte.
Möhring plant nun, seine Erfahrungen in einem Buch festzuhalten. Ein Versuch, die Vergangenheit zu verarbeiten und den Opfern ein Denkmal zu setzen. „Der Terror, der vor 40 Jahren begann, hält bis heute an“, sagt er. Ob seine Albträume dann ein Ende finden werden, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Die Nacht in der „La Belle“ wird Friedenau und Deutschland lange begleiten – als Mahnung und als Erinnerung an die Opfer des Terrorismus.
