Fußball-revolution in der regionalliga: politik greift ein – kampf um aufstiegsreform spitzt sich zu

Eine historische Zäsur für den deutschen Fußball steht bevor. Am Mittwoch wird die Regionalliga-Reform vor dem Landtag in Thüringen thematisiert – ein seltenes Zeichen, das die Dringlichkeit der Debatte unterstreicht. Vor diesem Hintergrund hat Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt erstmals politische Gewichtigkeit in den Streit um die Struktur des deutschen Fußballsystems gebracht.

Ostdeutschland fordert gerechtigkeit: aufstiegsregeln spalten den profifußball

Seit Jahren ringen Traditionsvereine im Osten Deutschlands mit dem Profifußball um eine feste Größe. Während Klubs aus dem Westen die oberen Ligen dominieren, kämpfen ihre östlichen Pendants um dauerhaften Aufstieg. Die aktuelle Struktur der Regionalligen wird als zusätzliches Hindernis gesehen.

Die Initiative „Aufstiegsreform“, an der sich 70 Vereine bundesweit beteiligen, treibt den Wandel voran. Im Fokus steht die Forderung nach einer Änderung der Aufstiegsregeln. Aktuell steigen nur der Staffelsieger aus Südwest und West direkt auf, während die Meister der anderen Staffeln auf eine umstrittene Relegation angewiesen sind. Viele sehen darin eine strukturelle Benachteiligung, besonders in Ostdeutschland.

Ein konkreter Entwurf sieht die Umwandlung der fünf Regionalligen in vier vor, die dann durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz nach den kürzesten Fahrtstrecken aufgeteilt würden. Ein wichtiger Punkt: Alle Meister, unabhängig von ihrem Standort, sollten direkt aufsteigen. Doch diese Lösung stößt auf Widerstand von DFB-Vize-Bossen wie Peter Frymuth und Ralph-Uwe Schaffert sowie dem Präsidenten des Bayerischen Fußballverbandes, Dr. Christoph Kern.

Voigt argumentiert, dass die aktuelle Aufstiegsregelung nicht nur ein strukturelles, sondern auch ein Gerechtigkeitsproblem darstellt. „Es geht um die Frage, ob Leistung tatsächlich zählt – und ob die Leistung von Vereinen in Ost und West unter vergleichbaren Bedingungen dieselbe Anerkennung findet“, so Voigt in einem Gastbeitrag für die „Leipziger Volkszeitung“. Er betont, dass Politik dort ihre Stimme erheben müsse, wo es um faire Rahmenbedingungen geht.

Sportwissenschaftler wie Prof. Harald Lange von der Universität Würzburg teilen die Kritik und sprechen vom DFB „schwerwiegenden Strukturfehlern“. Die Kriterien für den Aufstieg seien so gestaltet, dass sich der Osten zutreffend benachteiligt fühlt.

Die Proteste der Fans sind deutlich: Bei Heimspielen von Teams wie den Sportfreunden Siegen werden große Spruchbänder mit der Aufschrift „Vier Himmelsrichtungen, doch nur ein Ziel – Kompassmodell jetzt!“ gezeigt. Die Forderung nach einer Reform wird immer lauter.

Der DFB hatte bereits ein Kompassmodell auf den Tisch gelegt, welches die Aufteilung in vier Staffeln vorsieht. Die Diskussionen zeigen, dass die Reform nicht nur eine Frage der Liga-Struktur ist, sondern auch ein Kampf um die Anerkennung von Leistung und die Wahrung des gesellschaftlichen Ankers, den der Fußball für viele Menschen darstellt. Und die Zeit drängt.