Generationen clash: warum zwischen männern und frauen neue feindseligkeit entsteht
Die Schlagzeilen häufen sich: Gewalt gegen Frauen, online und offline, nimmt zu. Eine beunruhigende Entwicklung, die viele in eine nostalgische Verklärung der Vergangenheit treibt. War das Verhältnis zwischen den Geschlechtern tatsächlich jemals harmonischer? Ein Gespräch zwischen Vater und Sohn, zwei Zukunftsforscher, wirft einen kritischen Blick auf die Wurzeln dieser neuen Feindseligkeit und die Frage, wohin wir sich entwickeln.
Die hippie-ära und ihre schattenseiten
Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstituts, erinnert sich an die vermeintliche Emanzipationswelle der 70er Jahre. „Es war eine Zeit des großen Aufbruchs, der sexuellen Befreiung. Doch hinter der Fassade der Liberalität verbarg sich eine brutale Pop-Chauvie-Kultur“, so Horx. Groupies, sexuelle Ausbeutung und eine latente Ablehnung der neuen Freiheit der Frau waren Realität, die man lieber unter den Teppich gekehrt hatte. „Viele Männer haben den Aufstieg der Frauen mit Wut erlebt, eine Wut, die heute im digitalen Raum ihren Ausdruck findet.“

Die neue generation und der „gender-konkurrenzkampf“
Sein Sohn, Tristan Horx, Kulturanthropologe und selbst Zukunftsforscher, bestätigt diesen Trend in seiner eigenen Generation. „Auch hier erleben wir eine Wut, eine Frustration darüber, dass junge Männer in Studium und Beruf von Frauen überholt werden. Diese Gefühle entladen sich in den sozialen Medien, in einer Art Gender-Konkurrenzkampf, der schlichtweg ungesund ist.“ Die vermeintliche Gleichberechtigung hat zu einer neuen Form des Wettbewerbs geführt, in der es nicht mehr um Kooperation, sondern um Überlegenheit geht.

Pseudo-coaches und die instrumentalisierung der männlichkeit
Ein besorgniserregender Aspekt ist die Instrumentalisierung der Männlichkeit durch sogenannte „Pseudo-Coaches“, die online Männern ein falsches Gefühl von Stärke vermitteln und sie für ihre Frustrationen verantwortlich machen. Diese Coaches nutzen die angespannte Situation aus, um Profit zu machen, ohne wirkliche Lösungen anzubieten.
Der ruf nach höflichkeit und distanz
Matthias Horx sieht eine Renaissance von konservativen Werten. „Wir beobachten seit etwa zehn Jahren einen harten Gegenschlag gegen die Emanzipation – auch die der Männer. Vielleicht brauchen wir wieder eine Art Höflichkeit, eine respektvolle Distanz zwischen den Geschlechtern. Ich hätte mir das früher kaum vorstellen können, aber ein schneller ‚Summer of Love‘ ist nicht in Sicht.“
Umeinander herumschleichen und machtspiele
Tristan Horx beschreibt das heutige Verhältnis zwischen jungen Männern und Frauen als „eine Art Umeinander-herumschleichen, nach Vorteilen suchen“. Die Leichtigkeit und das Vertrauen, das einst zwischen den Geschlechtern bestand, scheinen verloren gegangen zu sein. Es herrscht eine erbarmungslose Konkurrenz, die das Potenzial für echte Beziehungen untergräbt.
Die Debatte um Geschlechterrollen ist komplex und vielschichtig. Es geht nicht darum, die Errungenschaften der Frauenbewegung rückgängig zu machen, sondern darum, einen Weg zu finden, wie Männer und Frauen in einer Gesellschaft koexistieren können, die von Respekt, Höflichkeit und gegenseitigem Verständnis geprägt ist. Die Frage ist nicht, wer Recht hat, sondern wie wir eine Zukunft gestalten können, in der beide Geschlechter ihre Stärken entfalten können, ohne sich gegenseitig zu bekämpfen.
