Impfquote für hpv: alarmzeichen in deutschland – schulen als schlüssel?
Die Schlagzeile ist unmissverständlich: Die Impfquote gegen HPV – den sogenannten Genitalwarzen-Virus – liegt in Deutschland weit unter dem Ziel. Während 20 Jahre bereits ein Impfstoff verfügbar sind, nehmen nur noch jedes zweite Mädchen und jedes dritte Junge den Spritzen entgegen. Eine erschreckende Entwicklung, die das Risiko für bösartige Tumoren deutlich erhöht.
Alarmierende zahlen: krebsrisiko steigt
Die Folgen einer HPV-Infektion sind verheerend. Jedes Jahr erkranken rund 6.250 Frauen an Gebärmutterhalskrebs oder anderen bösartigen Veränderungen, ebenso viele Männer – beispielsweise an Peniskrebs. Die Empfehlungen zur Impfung, die bereits 2007 für Mädchen und 2018 für Jungen eingeführt wurden, werden von allen Krankenkassen übernommen. Doch die Fortschritte sind fragil. Seit der Corona-Pandemie stagniert die Impfquote, und in Berlin liegt sie aktuell bei lediglich 59 Prozent bei Mädchen und 41 Prozent bei Jungen – ein Wert, der den bundesweiten Durchschnitt deutlich unterbietet.

Schulimpfungen als lösung?
Die Gesundheitsministerin von Berlin, Ina Czyborra, schlägt nun eine radikale Lösung vor: Impfungen sollen direkt in Schulen angeboten werden. „Wir müssen HPV-Impfungen gut zugänglich machen, wo die jungen Menschen sind“, erklärt sie. Die Amtsärzte sollen diese Aufgabe übernehmen, was einen leistungsstarken öffentlichen Gesundheitsdienst erfordert. Bremen ist bereits einen Schritt weiter: Seit 2013/14 wird ein Schulimpfprogramm erfolgreich umgesetzt. Dabei werden die Eltern vorab befragt und die Impfteams rücken im Herbst an, um achte Klassen zu impfen. Eine zweite Dosis folgt fünf Monate später.

Europa im vergleich: ein vergleich, der schockiert
Während Deutschland in dieser Hinsicht hinterherhinkt, sind Länder wie Island, Norwegen und Portugal Spitzenreiter. In Island werden fast 96 Prozent der Mädchen geimpft. Diese Diskrepanz zeigt deutlich, dass Deutschland hier dringend Nachsorge benötigt. Die Gemeinsame Bundesausschuss prüft derzeit sogar, ob HPV fester Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen U10 werden soll. Ein entscheidender Schritt, um die Früherkennung von Krebsvorstufen zu verbessern.
Die aktuelle Situation ist eine klare Bedrohung für die Gesundheit junger Menschen. Es ist Zeit für konsequente Maßnahmen – und Schulen könnten hier eine Schlüsselrolle spielen. Die Impfquote muss gesteigert werden, bevor die Zahlen noch weiter in die Höhe schnellen.
