Insolvenz bei r-pharm germany: sanktionen und geldmangel brechen tradition
Illertissen – Die 177-jährige Pharmafirma R-Pharm Germany GmbH steht vor dem Aus. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Neu-Ulm einen vorläufigen Insolvenzantrag gestellt. Die Ursache: Internationale Sanktionen gegen Russland, aus dem das Unternehmen seit 2014 gehört.

Geldtransfers scheitern, mitarbeiter warten auf löhne
Seit Monaten erhalten die rund 300 Mitarbeiter in Illertissen keine Gehälter mehr. Rechtsanwalt Markus Fröhlich, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde, bestätigte BILD die massiven Einschränkungen. „Eine sichere Überweisung von Geld aus Russland ist nahezu unmöglich geworden.“
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten begannen mit den Sanktionen gegen das russische Konsortium, zu dem R-Pharm Germany gehört. Kunden und Geschäftspartner zogen sich zurück, was die Geschäftsentwicklung stark beeinträchtigte. „Die Unsicherheit hat sich zunehmend negativ ausgewirkt“, erklärt Fröhlich.
Trotz der schwierigen Lage sieht der Insolvenzverwalter Chancen für eine Sanierung. Das Unternehmen verfügt über moderne Produktionsanlagen und ein qualifiziertes Team. R-Pharm Germany hat einen guten Ruf und stellt nachgefragte Medikamente her. Dennoch steht ein neuer Investor nicht aus. Ein strukturierter Investorenprozess wurde bereits eingeleitet.
Die Geschichte des Unternehmens reicht bis 1849 zurück, als es unter dem Namen Mack in Ulm gegründet wurde. 1971 übernahm der US-Pharmariese Pfizer die Firma und 2014 wurde Mack an das russische Konsortium R-Pharm verkauft. Die Insolvenz ist ein deutliches Zeichen für die weitreichenden Folgen der geopolitischen Lage auf deutsche Unternehmen.
Derzeit analysiert Fröhlich und sein Team die wirtschaftliche Lage. Eine Zukunftslösung wird aber nur mit einem neuen Investor möglich sein. Erste Interessenten haben sich bereits gemeldet. Das Unternehmen, das einst für seine hochwertigen Medikamente stand, könnte bald Geschichte sein.
