Iran: tod des ayatollah – welt reagiert zurückhaltend

Teheran – Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Der iranische Oberste Geistliche Ajatollah Ali Chamenei, 86 Jahre alt, ist tot. Die Kondolenzliste ist alarmierend kurz, die Liste seiner Verbrechen über drei Jahrzehnte lang erschreckend lang.

Putin bezeichnet attentat als „zynischen mord“

Putin bezeichnet attentat als „zynischen mord“

Der iranische Religionsführer wurde am Samstag durch einen gezielten Schlag amerikanisch-israelischer Streitkräfte laut Berichten getötet. Während die wenigen politischen Führer der iranischen Notregierung und die meisten Golfstaaten schweigen, hat sich nun auch Kreml-Chef Wladimir Putin zu Wort gemeldet. In einem Brief an den iranischen Präsidenten Massud Peseschkian spricht Putin von einem „zynischen Mord“ und verurteilt die Tat als „Verletzung aller Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts“.

Die Aussage des russischen Staatschefs ist bemerkenswert, angesichts seiner anhaltenden Militäroperation in der Ukraine, die er selbst als „illegale Aggression“ bezeichnet. Putin bezeichnete Chamenei ironischerweise als „außergewöhnlichen Staatsmann“, ein Gegensatz zu dem Bild eines Unterdrückers, das sich aus seinem 37-jährigen Herrschaftszeit ergibt.

Die inneriranische Situation ist von Stille geprägt. Statt Kondolenzbekundungen gibt es in den Golfstaaten eher Wut über die Raketenangriffe des Iran auf Nachbarländer. Nordkorea-Diktator Kim Jong-un, der sich mit Soldaten am Krieg in der Ukraine beteiligt, teilte ebenfalls seine Sichtweise einer „illegalen Aggression“ und „Verletzung der nationalen Souveränität“.

Chamenei hatte seit 1989 das iranische Volk unterdrückt, insbesondere Frauen, die sich der Kopftuchpflicht widersetzten. Die Sittenpolizei war unter seiner Herrschaft ein ständiger Schrecken. Putins Beileidsbekundungen sind ein weiteres Zeichen seiner zunehmenden Distanzierung von der westlichen Wertegemeinschaft. Die Frage ist, wie lange diese Distanzierung Bestand haben wird.

Die Tötung des Ayatollahs verändert die Machtdynamik im Iran. Es bleibt abzuwarten, wer die Nachfolge antritt und welche Auswirkungen dies auf die regionale Stabilität haben wird – und ob Putins Botschaft mehr als nur eine politische Manöver ist.