Iran verschärft internet-kontrolle: 'internet pro' für ausgewählte nutzer

Teheran – Die digitale Zensur in Iran intensiviert sich dramatisch. Nach Monaten des faktischen Internet-Boykotts plant die Mullah-Führung nun ein selektives, hochpreisiges Online-System, das als ‘Internet Pro’ firmiert. Ein kalkuliertes Despotieinstrument, das die Bevölkerung noch weiter von der freien Informationsflut abschottet.

Eine neue dimension der überwachung

Laut Berichten sollen zunächst ausgewählte Unternehmen und staatliche Institutionen wieder Zugang zum globalen Netz erhalten. Dieser Schritt ist lediglich ein Vorbote für die zweite Phase: Die Bevölkerung soll – gegen hohe Gebühren und mit umfassender Identitätskontrolle – wieder online gehen dürfen. Die Registrierungspflicht, verbunden mit den persönlichen Daten, stellt einen gravierenden Eingriff in die Privatsphäre dar.

Der Beschluss des Nationalen Sicherheitsrats und die Koordination durch das Nationale Zentrum für Cyberspace belegen die strategische Absicht des Regimes. Antragsteller müssen detaillierte Anträge mit Identitäts- und Berufsnachweisen einreichen – ein bürokratischer Albtraum, der die wenigen verbleibenden Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung weiter einschränkt.

Der preis der freiheit – und die folgen

Der preis der freiheit – und die folgen

Die Situation vor dem Krieg, als Instagram, Telegram und WhatsApp für Millionen Irans unentbehrliche Kommunikationswege waren, wirkt surreal. Holly Dagres von der Washington Institute betont eindrücklich: „Das Internet und die sozialen Medien waren die einzige Möglichkeit für sie, gehört zu werden.“ Doch diese Möglichkeit wurde längst in eine Falle verwandelt. Die Mullahs überwachten jede Aktivität, die Revolutionsgarden greifen ein, sobald Kritik geäußert wird. Die Verfolgung von Influencern ist zur systematischen Praxis geworden.

Die jüngste Ermordung von Diana Bahadori, der so genannten „Baby Rider“, ist ein erschütterndes Beispiel für die Brutalität des Regimes. Die junge Frau, die mit ihrem Motorrad gegen die Geschlechterdiskriminierung anprangerte, wurde auf tragische Weise zum Symbol des Widerstands.

Drohungen mit cyberangriffen

Drohungen mit cyberangriffen

Die Verhängung der Internet-Sperre vor dem Krieg war bereits eine Reaktion auf die Proteste. Nun droht das Regime mit einem noch größeren Schritt: Einem indirekten Angriff auf US-Verbündete durch die Bedrohung mit Cyberangriffen auf Seekabel. Diese Drohung ist keineswegs hohereifig – die Konsequenzen für den internationalen Daten- und Finanzverkehr wären verheerend.

Die Entwicklung ist alarmierend. Der ‘Internet Pro’ ist nicht nur ein Instrument der Kontrolle, sondern auch eine krasse Demonstration der Rechenschaftspflichtlosigkeit des iranischen Regimes. Die Hoffnung auf eine freie digitale Zukunft für den Iran schwindet zusehends.