Israel und usa spalten sich über strategie im iran – nach chameneis tod
Berlin/Teheran – Die geopolitische Lage im Nahen Osten ist von ohrenbetäubender Unsicherheit geprägt. Seit einer Woche führen Israel und die Vereinigten Staaten gemeinsam militärische Operationen gegen das iranische Regime in Teheran durch. Doch hinter den Kulissen zeichnet sich eine wachsende strategische Entfremdung ab, die das fragile Bündnis gefährdet.

Streit um regime change: us-plan vs. israelische zerstörung
Der frühere deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg äußerte sich auf LinkedIn besorgt über die unterschiedlichen Ziele der beiden Partner. Während die israelische Regierung laut zu Guttenberg auf die vollständige Ausrottung der revolutionären Machtapparate – insbesondere der Basij-Milizen und der Proxys – setzt, verfolgt Washington einen pragmatischeren Ansatz. Dieser orientiert sich demnach am venezolanischen Modell: Es soll durch den Angriff die Voraussetzungen für einen Regimewechsel geschaffen werden, auch in abgestufter Form.
Diese Divergenz birgt erhebliche Risiken. Die erste militärische Welle, die massive Luft- und Cyberangriffe, gezielte Attacken auf Führungspersonal, Nuklearanlagen und Raketenstellungen beinhaltet, sollte zwar kurz und überwältigend sein. Parallel dazu sollen politische und wirtschaftliche Sanktionen das Regime unter Druck setzen. Eine bewusste Anstiftung der iranischen Bevölkerung zum Aufstand ist als potenzielle innere Komponente dieser Welle vorgesehen.
Doch zu Guttenberg warnt vor den Folgen dieser unterschiedlichen Herangehensweisen. „Das mag ähnlich klingen“, schrieb er, „birgt aber durchaus Friktionspotenziale, sobald die erste große militärische Welle abgeschlossen ist.“ Die unterschiedlichen Ziele könnten zu Konflikten führen, insbesondere wenn es um die Frage geht, wie weit die Operationen gehen sollen und welche Konsequenzen sie für die regionale Stabilität haben.
Die Angriffe erstrecken sich über die gesamte Golfregion. Teheran, Bahrain und Libanon sind bereits Ziel neuer Angriffe. Israel und der Iran liefern sich einen hitzigen Schlagabtausch, der die Region in ein noch tieferes Chaos stürzt. Die US-Regierung scheint bereit, höhere Risiken einzugehen, um das Regime zu destabilisieren, während Israel auf eine radikale Zerstörung setzt.
Die Tötung von Ayatollah Ali Chamenei, dem langjährigen Obersten Führer des Iran, am ersten Tag der Operation war ein strategischer Erfolg für beide Partner. Doch der Tod des Machthabers hat auch neue Fragen aufgeworfen. Wer wird die Macht übernehmen? Wie wird sich das Regime verändern? Und wie wird die regionale Balance der Kräfte aussehen?
Die Antwort auf diese Fragen wird die Zukunft des Nahen Ostens bestimmen. Die strategische Entfremdung zwischen Israel und den USA könnte die Bemühungen um eine Stabilisierung der Region zunichtemachen und zu einem noch größeren Konflikt führen. Die Welt beobachtet die Lage mit wachsender Besorgnis. Die Folgen dieser Entwicklungen werden weit über die Grenzen des Nahen Ostens hinaus spürbar sein.
Die Frage ist nicht, ob es zu einem größeren Krieg kommt, sondern wann. Und welche Kosten dieser Krieg für alle Beteiligten haben wird.
