La belle: vergessene opfer, ungehörte schrecken
Vierzig Jahre sind vergangen, seitdem eine Bombe die Diskothek „La Belle“ in Berlin-Friedenau erschütterte. Doch während man in den Gedenkreden allgemeine Worte fand, blieb die unbequeme Wahrheit unerwähnt: Wer wirklich hinter dem Anschlag steckte und warum.

Ein terroranschlag, der zu lange im dunkeln blieb
Am 5. April 1986, ein Ostersamstag, explodierte in der Hauptstraße 74 eine Bombe. Drei Menschen starben sofort, weitere 104 wurden schwer verletzt. Vornehmlich waren es US-amerikanische Soldaten, die in der Diskothek Zuflucht gesucht hatten. Der damalige Bürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Jörn Oltmann, legte am vergangenen Wochenende einen Kranz nieder, sprach von „einem Akt des Hasses und der Gewalt“. Eine zutreffende, aber viel zu milde Beschreibung, wie sich zeigen sollte.
Die Wahrheit ist erschreckend und komplexer. Der Anschlag auf die „La Belle“ war kein spontaner Akt, sondern ein kalkulierter, von Muammar al-Gaddafi, dem damaligen Diktator Libyens, befohlener Akt. Die Organisation erfolgte über die Botschaft Libyens in Ost-Berlin, unterstützt vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MFS). Gaddafi, der 1969 eine sozialistische Diktatur mit islamistischen Zügen errichtet hatte, hatte dem Westen den Terror erklärt.
Die „La Belle“ war nicht der einzige Angriff. Gaddafi orchestrierte eine Reihe von spektakulären Terroranschlägen, darunter die Zerstörung einer Boeing 747 der Pan American Airways über Lockerbie, Schottland, im Dezember 1988. Alle 259 Passagiere kamen dabei ums Leben. Es war ein Terrorkrieg, der seinen blutigen Höhepunkt am 11. September 2001 erreichte und dessen Schatten bis heute über Europa liegt.
Der Akt des Hasses, von dem Herr Oltmann spricht, war Teil einer systematischen Kampagne. Es ist eine Verharmlosung, die der Erinnerung an die Opfer und der Ernsthaftigkeit der Bedrohung nicht gerecht wird. Die Beschönigung des Geschehens ist eine Form der Verdrängung, die uns blind macht für die Gefahren, denen wir uns stellen müssen.
Gunnar Schupelius stellt die entscheidende Frage: Haben wir wirklich verstanden, wie stark wir bedroht sind? Die Zeit der leeren Versprechungen und wohlklingenden Phrasen ist vorbei. Es bedarf einer klaren Benennung der Feinde und einer konsequenten Bekämpfung des Terrorismus – in all seinen Formen. Die Opfer der „La Belle“ verdienen mehr als bloße Gedenkreden. Sie verdienen die Wahrheit.
