Mars-mission: ein einbahnstraße für astronauten?
Der Traum vom Mars, genährt von den Visionen eines Elon Musk, stößt auf eine bittere Realität: Die Reise zum Roten Planeten könnte für die ersten Siedler zum endgültigen Abschied von der Erde werden. Astrophysiker Neil deGrasse Tyson warnt seit Jahren vor einer übertriebenen Romantisierung der Mars-Mission, und seine Bedenken sind mehr als berechtigt.
Die technischen und biologischen hürden sind gewaltig
Schon der Weg zum Mars ist ein gewaltiges Unterfangen. Die Reise selbst, sechs bis neun Monate lang, ist ohne schnelle Rückzugsmöglichkeit ein Tanz auf dem Vulkan. Die konstante Bewegung der Planeten erlaubt nur enge Zeitfenster für den Start, und ein Notfall kann hier schnell zum Todesurteil werden. Doch das ist erst der Anfang. Außerhalb des schützenden Erdmagnetfelds treffen gefährliche kosmische Strahlung auf das Raumschiff, während die Schwerelosigkeit den menschlichen Körper auf subtile, aber verheerende Weise zersetzt. Knochendichte schrumpft um 1 bis 1,5 Prozent pro Monat – ein Prozess, der bei langen Missionen zu Osteoporose-ähnlichen Zuständen führen kann. Auch Herz und Kreislauf leiden unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit.

Isolation und psychischer druck: ein ausnahmezustand
Neben den physischen Herausforderungen ist die psychische Belastung kaum zu unterschätzen. Monate der Enge, die fehlende Privatsphäre und die verzögerte Kommunikation mit der Erde – Funksignale benötigen 20 Minuten pro Richtung! – erzeugen eine Atmosphäre der Isolation, die ihresgleichen sucht. Funk-Blackouts von Tagen oder Wochen sind keine Seltenheit, was die Situation noch verschärft. Die NASA versucht, diese extremen Bedingungen in Simulationen wie CHAPEA nachzubilden, wo Freiwillige 378 Tage in einer 3D-gedruckten Mars-Umgebung verbringen.

Der mars: ein unwirtlicher planet
Selbst wenn die Reise und die dortige Landung gelingen, empfängt den Reisenden kein freundliches Willkommen. Der Mars ist eiskalt, mit Durchschnittstemperaturen von minus 60 Grad Celsius und extremen Werten von bis zu minus 150 Grad. Eine atembare Atmosphäre fehlt, und der Schutz vor Strahlung ist minimal. Das Überleben hängt von der Funktionsfähigkeit technischer Anlagen ab – Anlagen, die jederzeit versagen können.

Der rückflug: die größte herausforderung
Der Hinflug erfordert immense Ressourcen, doch der Rückflug stellt die eigentliche Hürde dar. Riesige Mengen Treibstoff sind notwendig, entweder mitgeführt oder vor Ort produziert. Das nächste Startfenster bietet sich erst in etwa 26 Monaten an. Aus diesem Grund wird in der Raumfahrt offen über sogenannte „One-Way-Missionen“ diskutiert: Astronauten würden zum Mars fliegen – und dort bleiben.
Neil deGrasse Tyson bringt die Debatte auf eine fundamentale Ebene. „Space exploration has never been driven by curiosity alone“, so der Astrophysiker. Es geht nicht um ein Abenteuertrip, sondern um ein Projekt mit enormen Risiken und ungewissem Nutzen. Die Zahl der Freiwilligen, die sich bereits für eine Reise zum Mars gemeldet haben – selbst für eine Einbahnfahrt – liegt geschätzt bei Hunderttausenden. Der Wunsch, Teil von etwas Größerem zu sein, Geschichte zu schreiben und die Grenzen der Menschheit zu erweitern, scheint für viele stärker zu sein als die Angst vor dem größten Risiko überhaupt: nie wieder nach Hause zurückzukehren. Doch diese Bereitschaft sollte uns nicht blind machen für die immensen Opfer, die eine Mars-Mission tatsächlich erfordert.
