Nagelsmann-poker um undav: ex-stars wettern, spieler reagiert
Stuttgart – Der Aufschrei ist vernehmbar: Julian Nagelsmann, Bundestrainer mit dem Hang zur Selbstinszenierung, hat mit seinen Äußerungen über Deniz Undav eine hitzige Debatte ausgelöst. Während der VfB-Stürmer eine herausragende Saison spielt, scheint der Weg des 29-Jährigen in die deutsche Nationalmannschaft mit erheblichen Hindernissen gepflastert – zumindest laut Nagelsmann.

Babbel und effenberg: unverständnis wächst
Die Kritik an Nagelsmann kommt von den üblichen Verdächtigen: Markus Babbel und Stefan Effenberg, ehemalige Nationalspieler mit scharfem Urteilssinn, sehen die Situation mit Sorge. Babbel, im „Doppelpass“ bei Sport1, sprach von einem „absoluten Novum“ und erinnerte sich nicht daran, dass ein Bundestrainer jemals einen Spieler so öffentlich „an die Wand genagelt“ habe. Ein Schlag ins Gesicht für den Spieler, ein Zeichen mangelnder Wertschätzung für die Leistungen des gesamten Teams. „So kannst du über einen Topstürmer nicht reden“, betonte Effenberg, dessen Unverständnis sich über die gesamte Woche hinweg hinzog. Er befürchtet, dass Nagelsmann sich damit unnötig unter Druck setzt und Undav faktisch „weggesägt“.
Der Hintergrund ist eine Äußerung Nagelsmanns nach dem Länderspiel gegen Ghana, in der er suggerierte, Undav werde wohl kaum über die Rolle des Jokers hinauskommen, und das, obwohl der Stürmer in der Bundesliga Woche für Woche glänzt. Seine Worte, unvollendet zwar, ließen den Eindruck entstehen, der VfB-Angreifer sei für die WM-Pläne des Bundestrainers nicht von zentraler Bedeutung.
Undav selbst scheint jedoch gelassen. Im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF erklärte er, er habe bereits mit Nagelsmann telefoniert und die Situation geklärt. „Ich versuche, alles zu geben, um bei der WM dabei zu sein“, sagte er und betonte den Teamgeist: „Ob ich eine Minute oder 90 Minuten spiele – ich werde immer alles geben.“ Eine pragmatische Haltung, die aber die Frage aufwirft: Wie lange kann man sich noch öffentlich entwürdigende Äußerungen gefallen lassen, bevor sie den eigenen Leistungsbereitschaft beeinträchtigen?
Die Situation zeigt einmal mehr, dass Julian Nagelsmann nicht nur ein Taktiker auf dem Spielfeld ist, sondern auch ein Meister der öffentlichen Inszenierung. Doch seine Strategie, Spieler öffentlich unter Druck zu setzen, könnte sich als kontraproduktiv erweisen. Denn die Fassade der vermeintlichen Transparenz verbirgt oft eine mangelnde Sensibilität für die menschliche Komponente im Fußball. Die Frage ist nicht, ob Nagelsmann Undav „weggesägt“ hat, sondern ob er damit das Vertrauen in sein Team nachhaltig beschädigt hat.
