Nikel warnt: europa im abseits – trump als symptom einer gefährlichen entwicklung

Der ehemalige Botschafter Rolf Nikel schlägt Alarm. Die Weltordnung ist brüchig, Europa befindet sich in einer gefährlichen Abwärtsbewegung – und das trotz der Warnungen eines Mannes, der seit Jahrzehnten die diplomatischen Höhenflüge beobachtet.

Die welt ist kein spielplatz mehr

Rolf Nikel, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, malt ein düsteres Bild. Der US-Präsident, Donald Trump, sei nicht allein verantwortlich für die Krise, betont der 71-Jährige. Vielmehr habe sich in den USA eine Denkweise durchgesetzt, die auf Isolationismus und Nationalismus setzt. Ein gefährliches Spiel, das Europa vor immense Herausforderungen stellt.

„Trump macht keinen Unterschied“, erklärt Nikel eindringlich. Er verwechselt Staatsinteressen mit persönlichen Ambitionen, eine Politik, die der Diplomatie grundsätzlich zuwiderläuft. Ein Problem, das weit über die amerikanische Wahlkampfdramatik hinausgeht.

Der preis der selbstverachtung

Der preis der selbstverachtung

Nikel sieht die USA nicht mehr als globale Verantwortungsträger. Ein weit verbreitetes Narrativ besagt, dass die USA ihre Ressourcen nicht mehr für die Welt einsetzen wollen. Ein pragmatischer Ansatz, der jedoch verheerende Konsequenzen haben kann. „Wer nicht Koch ist, landet auf der Speisekarte“, mahnt Nikel. Eine Metapher, die die verhängnisvolle Situation Europas eindrücklich illustriert.

Kurzfristige deals statt langfristiger lösungen

Kurzfristige deals statt langfristiger lösungen

Trumps Strategie, kurzfristige Deals zu schmieden, anstatt nachhaltige Lösungen zu finden, sei “brandgefährlich”, so Nikel. Der Westen müsse seine Rolle als globale Polizistin abgeben. Europa müsse Verantwortung übernehmen – und zwar jetzt. Doch das ist leichter gesagt als getan. Deutschland allein ist überfordert. Die ‘Zeitenwende’ von 1990 mag grundsätzlich richtig gewesen sein, doch viele Schritte kamen zu spät. Vieles wurde nicht ausreichend umgesetzt.

Stärke und diplomatie – ein notwendiges gleichgewicht

Stärke und diplomatie – ein notwendiges gleichgewicht

Nikel fordert eine neue Balance zwischen Härte und Diplomatie. Militärische Stärke und wirtschaftliche Durchsetzungskraft sind unerlässlich, aber sie reichen allein nicht aus. „Man braucht militärische und wirtschaftliche Stärke – und Dialog“, betont er. Die Welt wird gefährlicher, und Europa muss die Sprache der Macht lernen, wenn es nicht auf dem Speiseplan anderer landen soll. Russland nimmt uns nicht ernst, weil wir wirtschaftlich und militärisch nicht in derselben Klasse spielen. Beim Ukraine-Krieg kämpft die Ukraine für unsere Freiheit.

Die Prognose ist düster: Der Krieg wird weitergehen. Putin sitzt fest im Sattel. Und Russland sei wieder imperialistisch. Ein Rückfall in alte Zeiten. Auch im Nahen Osten sieht Nikel schwarz. „Wir müssen mit Instabilität und Unordnung rechnen.“ Das Buch „Der schmale Grat – Die Kunst der Diplomatie in Zeiten des Umbruchs“ verdeutlicht diese Notwendigkeit. Ein Aufruf zum Handeln, der nicht länger ignoriert werden darf.