Politik als leere? martensteins skepsis und der falsche draht

Die Frage nach der politischen Ausrichtung – sie wird nie wirklich beantwortet. Ein stiller, verpöhntes Schweigen, das in der aktuellen Debatte um den Katholikentag in Würzburg besonders schrill wirkt.

Ein misstrauen, das unter der oberfläche brodelt

Ein misstrauen, das unter der oberfläche brodelt

Es ist eine Beobachtung, die schon lange in meinem Hinterkopf schwirrt: Viele, die sich als Hüter der Wahrheit präsentieren, scheinen von der eigentlichen Politik abgewandt zu sein. Sie operieren auf einer Ebene der Abgeschiedenheit, eine Art kosmische Distanz, die sie immun gegen den alltäglichen Kleinkram macht. Die Frage nach dem Katholikentag – ist überhaupt jemand hier wirklich gläubig? – fühlt sich nach einer formalen Höflichkeitsfrage an, einem Ritual, das nur noch ausgetüftelt wird.

Es ist die Geschichte der Menschheit, dass sich immer wieder Akteure – Kaiser, Könige, Regierungen, Kirchen, Sekten – als Hüter einer besonderen Verbindung zu uns erheben. Als hätten sie einen exklusiven Draht, ein Geheimnis, das uns verborgen bleibt. Eine lächerliche Vorstellung, die ich stets ablehne. Harald Martenstein, der Mann, der sich gerne umstritten sieht, bringt es in seiner BILD-Kolumne treffend auf den Punkt: „Ich bin gerne umstritten.“

Seine Perspektive ist unerwartet: Er würde auch eine Drogendeilerin oder einen verurteilten Mörder, der Reue zeigt, als Sprecher empfangen. Das ist ein Ansatz, der – ehrlich gesagt – meine Zustimmung verdient. Denn wer glaubt, er stünde exklusiv auf der Seite einer bestimmten Gruppe, der hat die Sache nicht verstanden. Es geht nicht um Loyalitäten, sondern um eine grundsätzliche Offenheit, ein Mangel an Dogmatismus. Die Falschheit liegt in der Erwartung, dass jemand uns vereinnahmen will, uns für seine Zwecke instrumentalisieren.

Die BILD-Kolumne von Martenstein ist eine Provokation, eine Erinnerung daran, dass politische Meinungen nicht als Dogmen zu betrachten sind. Sie ist ein Aufruf zur kritischen Auseinandersetzung, zur Ablehnung der vorgefertigten Narrative. Ein Kommentar, der – nun ja – vielleicht gerade deshalb so unbequem ist, weil er die Dinge so ungeschminkt anspricht. Eine bemerkenswerte Leistung, die zeigt, dass es auch im politischen Diskurs noch Platz für einen scharfen, unkonventionellen Blick gibt. Es ist ein Zeichen der Freiheit, sich nicht verbiegen zu müssen, sich nicht in vorgegebene Bahnen zwingen zu lassen.