Putins rückhalt schwindet: telegram-blockade als auslöser?
Moskau – Ein beunruhigendes Zeichen für den Kreml: Wladimir Putins Popularität in Russland ist offenbar gesunken. Eine Umfrage des staatlich nahen FOM-Instituts zeigt einen Vertrauensverlust von fünf Prozentpunkten – der stärkste seit 2019. Doch die Ursache liegt womöglich nicht im Ukraine-Krieg selbst, sondern in einer überraschenden Maßnahme des Regimes: der Drosselung des Messenger-Dienstes Telegram.

Der kampf um die digitale kontrolle
Bereits Anfang Februar, lange vor den aktuellen Eskalationen, nahm die Zustimmung für Putin in den FOM-Umfragen ab. Parallel dazu verstärkte der Staat seine Bemühungen, konkurrierende und ausländische Dienste wie Telegram und WhatsApp zu blockieren. Auch der Einsatz von VPNs, die eine Umgehung dieser Sperren ermöglichen, wird zunehmend behindert. Stattdessen drängt der Kreml die russische Bevölkerung zur Nutzung von MAX, einem staatlich geförderten Messenger. Begründet wird dies mit der Notwendigkeit eines „nationalen Messengers“, da ausländische Anwendungen angeblich von Geheimdiensten unterwandert worden seien – eine Behauptung, die mit Skepsis betrachtet wird.
Oppositionelle befürchten einen Überwachungsstaat: Der Druck auf Telegram kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Viele Bürger sehen in der staatlichen Förderung von MAX einen weiteren Schritt in Richtung Überwachung und Kontrolle. Denn MAX gehört dem Unternehmen VK, dessen Chef ein Sohn eines engen Putin-Vertrauten ist. Laut Reuters hat die App seit ihrer Einführung vor einem Jahr zwar bereits 107 Millionen Nutzer gewonnen, doch der Zwang zur Nutzung stört. „Die Installation einer App oder die Nutzung eines Dienstes sollte eine persönliche Entscheidung sein“, kritisiert Denis Kuskow, Leiter des Informationsportals TelecomDaily.
Telegram-Gründer Pawel Durow konterte mit der Behauptung, dass 65 Millionen Russen weiterhin täglich über VPN auf Telegram zugreifen. Die Versuche des Kreml, diese Zugriffe zu unterbinden und IP-Adressen zu blockieren, haben demnach bereits zu unerwarteten Problemen geführt: Medienberichten zufolge funktionierten zeitweise Banking-Apps nicht mehr, was den Zahlungsverkehr beeinträchtigte. Ein klarer Beweis dafür, wie fragil die digitale Infrastruktur Russlands ist und wie abhängig sie von ausländischen Technologien bleibt.
Die sinkenden Zustimmungswerte für Putin fallen zeitlich mit diesen Bemühungen zusammen, was den Verdacht nahelegt, dass die Einschränkung der Informationsfreiheit eine Rolle spielt. Die russische Bevölkerung scheint sich zunehmend von den Versuchen des Kremls distanzieren, die digitale Kommunikation zu kontrollieren. Die Frage ist, ob diese Unzufriedenheit sich in Zukunft auf weitere Bereiche des politischen Systems auswirken wird. Die aktuelle Lage zeigt, dass die digitale Souveränität Russlands ein teurer Kampf ist – und einer, der möglicherweise schon jetzt verloren geht.
