R-pharm germany beantragt insolvenz – sanktionen belasten bayerischen pharmahersteller
Illertissen – Der Ukraine-Krieg trifft einen traditionsreichen bayerischen Arzneimittelhersteller hart: Die R-Pharm Germany GmbH hat beim Amtsgericht Neu-Ulm ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt. Das Unternehmen, das seit 2014 zur russischen R-Pharm gehört, kämpft mit den Folgen internationaler Sanktionen.
Rechtsanwalt Markus Fröhlich wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er versucht nun, die Firma zu retten, die Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel für rund 150 Länder produziert. Trotz der Insolvenz läuft der Betrieb in Illertissen vorerst eingeschränkt weiter.

Sanktionen als hauptursache
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens resultieren hauptsächlich aus seiner Zugehörigkeit zu einem russischen Konsortium. „Infolge internationaler Russland-Sanktionen kam es zunehmend zu Unsicherheiten bei Kunden und Geschäftspartnern, was sich negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirkte“, erklärt Fröhlich gegenüber BILD.
Die Auswirkungen sind gravierend: Mitarbeiter berichten von monatelangen Gehaltsausbleiben. Laut Fröhlich hatten die rund 300 Mitarbeiter in den ersten Monaten des Jahres 2026 kein Gehalt erhalten. Das Problem: Geldüberweisungen aus Russland sind nahezu unmöglich geworden.
R-Pharm Germany, ursprünglich als Heinrich Mack in Ulm gegründet, zog 1971 nach Illertissen. Im Jahr 2014 übernahm die russische R-Pharm die Mehrheitsbeteiligung.
Fröhlich sieht Chancen für eine Sanierung. „Eine Zukunftslösung wird aber nur mithilfe eines neuen Investors möglich sein“, so der Insolvenzverwalter. Ein strukturierter Investorenprozess wird daher über ein spezialisiertes M&A-Beratungsunternehmen gestartet. Erste Interessenten haben sich bereits gemeldet.
Die Firma verfügt über moderne Produktionsanlagen und ein qualifiziertes Team. Der Ruf als Hersteller nachgefragter Medikamente ist unbestritten. Doch die Sanktionen haben die wirtschaftliche Basis stark erschüttert. Der Fall R-Pharm Germany ist ein deutliches Zeichen dafür, wie der Krieg in der Ukraine auch deutsche Unternehmen direkt trifft.
