Rüstungsexpansion: deutschland profitiert von der krise der autoindustrie
Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Umbruch – und das nicht nur aufgrund der anhaltenden Probleme im Automobilsektor. Während die Autobauer, wie VW, Mercedes und Opel, mit einer tiefgreifenden Krise zu kämpfen haben, erlebt die Rüstungsindustrie einen beispiellosen Aufschwung. Eine Entwicklung, die sowohl Fragen aufwirft als auch neue Perspektiven eröffnet.
Ein boom, der kaum zu glauben ist
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Auftragsbücher der deutschen Rüstungsfirmen, darunter Rheinmetall und Renk, sind voll. Ein Umsatzplus von rund 40 Prozent bei Rheinmetall allein – auf 14 bis 15 Milliarden Euro im laufenden Jahr – ist eine Seltenheit in der aktuellen Wirtschaftslage. Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall, deutet lediglich einen leichten Dämpfer zwischen 2035 und 2040 an, vorausgesetzt, militärische Auseinandersetzungen in Deutschland werden vermieden.
Die Nachfrage nach hochmodernen Waffensystemen und Verteidigungstechnologien ist ungebrochen. Ein Blick auf die Bewerbungen zeigt die Dimension des Interesses: Im vergangenen Jahr meldeten sich 350.000 potentielle Mitarbeiter bei Rheinmetall. Ein Großteil davon, nämlich rund 250.000, kommt aus Deutschland. Sogar Anrufe zu Hause, in denen Bewerber ihre Bereitschaft zum Einsatz bekundeten, waren keine Seltenheit.

Lieferketten und fachkräftemangel
Diese Entwicklung erfordert jedoch massive Investitionen. Rheinmetall plant, bis 2030 weitere 25.000 Arbeitsplätze zu schaffen, aktuell beschäftigt das Unternehmen bereits rund 44.000 Menschen. Die Lieferkette wächst rasant – und das Interesse an einer Karriere in der Rüstungsindustrie ist enorm. Rheinmetall strebt eine Steigerung der Mitarbeiterzahl auf 70.000 bis 2030 an, was eine Verknüpfung mit der Lieferkette von rund 210.000 Personen bedeutet und somit eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl in der deutschen Autoindustrie um rund ein Drittel.
Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung: Zahlreiche Automobilzulieferer, darunter rund 4.500 aus der Autoindustrie selbst, sind bereits heute eng mit Rheinmetall verbunden. Die Firma beschäftigt derzeit rund 11.500 deutsche Zulieferer. Doch Papperger mahnt: „Rüstung wird Wirtschaft nicht retten.“

Ein schatten auf der zukunft
Die Prognosen von Ökonomen wie Martin Gornig deuten darauf hin, dass die Rüstungsindustrie zwar ein Wachstum verzeichnen wird, aber die deutsche Wirtschaft keinesfalls von diesem Boom profitieren wird. Die Autobranche, trotz ihres aktuellen Einbruchs, generiert nach wie vor einen erheblichen Anteil – etwa fünf Prozent – am deutschen Bruttoinlandsprodukt. Es ist eine deutliche Diskrepanz, die es den Rüstungsfirmen unwahrscheinlich macht, diese Größenordnung in absehbarer Zeit zu erreichen. Die Konzentration auf Drohnen und Raketensysteme ist lediglich ein Zusatzgeschäft, das vor allem die Gewinnmargen der Unternehmen erhöht – aber keine nachhaltige Lösung darstellt.
