Schalke am abgrund? aufstiegskampf wird zur nervenprobe

Gelsenkirchen atmet auf, aber die Erleichterung ist trügerisch. Der 1:0-Sieg gegen Karlsruhe hielt Schalke zwar an der Tabellenspitze, doch der Blick nach unten ist beunruhigend. Sechs Spiele entscheiden über den Aufstieg in die Bundesliga – und die Personalsituation könnte das Team von Miron Muslic in den Sand setzen.

Verteidigung bröckelt: verletzungen und sperren

Die Innenverteidigung, das Herzstück jeder erfolgreichen Mannschaft, liegt in Trümmern. Nicht nur, dass der 40-jährige Publikumsliebling Edin Dzeko sich schwer an der Schulter verletzt hat und wohl die gesamte Restrunde verpasst – die Abwehrreihen reißen reihenweise Löcher. Kapitän Kenan Karaman und Mertcan Ayhan müssen im wichtigen Duell gegen Elversberg zuschauen, während Nikola Katic die Saison vorzeitig beenden muss. Ein Desaster, das Muslic vor eine Mammutaufgabe stellt.

Die Lage ist ernst: Nur noch fünf Punkte trennen Schalke vom ersten Nicht-Aufstiegsplatz, lediglich drei Zähler zum ominösen Relegationsrang. Die vermeintliche Routine eines Aufstiegsrennen hat sich in ein nervenaufreibendes Roulette verwandelt. Und dann die Gegner, die im Saisonendspurt auf die Knirpse von Schalke warten: Nächsten Sonntag geht es zum Aufstiegsaspiranten Elversberg, und zwei Wochen später nach Paderborn, wo man auf den Zweitplatzierten treffen wird. Ein Hexenkessel erwartet die Mannschaft.

Muslic schürt die hoffnung: „wir sind schalke!“

Doch Miron Muslic, der sonst stets die Rolle des pragmatischen Trainers eingenommen hat und von „Spiel für Spiel“-Mentalität schwärmte, scheint nun den Ernst der Lage erkannt zu haben. „Klar fehlen die Jungs, ihre Mentalität und Persönlichkeit lassen sich nicht ersetzen“, gab er zu. „Aber wir sind Schalke! Jammern und eine Opferrolle einnehmen bringt uns nichts. Wir haben die Mentalität eines Gewinners, haben so viele Hürden überwunden.“ Die Worte klingen wie ein Schlachtruf, ein Appell an die Verantwortlichen und vor allem an die Fans.

Die Frage, ob Dzekos Blitz-Comeback realistisch ist, liess der Trainer unbeantwortet, deutete aber an, dass man an einer Lösung arbeitet. Die Verpflichtung eines neuen Stürmers scheint in dieser Phase der Saison jedoch unwahrscheinlich. Stattdessen muss die verbliebene Mannschaft zusammenfinden und die fehlenden Spieler ersetzen.

Die Wahrheit ist: Schalke hat derzeit mehr Probleme als Lösungen. Aber in Gelsenkirchen kennt man das. Die letzten zwei Jahre waren von Abstiegskampf und Enttäuschung geprägt. Muslic hat in dieser Saison einen herausragenden Job abgeliefert – bisher. Aber die Königsblauen können sich im Saisonfinale keine Ausrutscher erlauben. Nur ein Aufstieg in die Bundesliga kann die bisherige Leistung abräumen und die schlaflosen Nächte rechtfertigen. Der Druck ist enorm, die Erwartungen hoch – und der Weg zum Ziel ist gesäumt von Stolpersteinen.