Smart glasses im gericht: zeuge versucht sich zu helfen – und scheitert
London – Ein Mann versuchte vor dem High Court, sich während seiner Aussage mit einer smarten Brille heimlich Unterstützung zu holen. Das Gericht sah darin einen schwerwiegenden Verstoß und verwies seine Aussagen faktisch außer Kraft.

Zeuge nutzt smarte brille, um während aussage hilfe zu erhalten
Der Fall dreht sich um eine Eigentumsstreitigkeit einer Firma vor der Insolvency and Companies List. Der Mann und ein litauisches Unternehmen wollten vor Gericht klären, wer rechtmäßig Eigentümer sind und die entsprechenden Einträge korrigieren. Zudem sollte der Mann wieder als Direktor eingesetzt werden. Seine Aussage war daher zentral, da sie Einfluss auf wichtige Punkte des Verfahrens haben konnte.
Richterin Sarah Clarke bemerkte während der Befragung, dass der Zeuge auffällig oft zögerte und ungewöhnlich lange Pausen einlegte. Gleichzeitig waren Störgeräusche zu hören, die auf eine Verbindung zu einem anderen Gerät hindeuteten. Sie forderte den Mann schließlich auf, seine Brille abzunehmen. Es zeigte sich, dass es sich um eine smarte Brille handelte, die mit einem Mobiltelefon verbunden war und Audioübertragungen ermöglichte.
Kurz nach dem Ablegen der Brille war eine Stimme aus dem Telefon zu hören. Das Gericht untersuchte das Smartphone und fand Anruflisten und Metadaten, die auf ein Telefonat kurz vor der Aussage hindeuteten, das offenbar mit der Brille verbunden war. Die Verbindung wurde bewusst genutzt, um während der Aussage Hilfe zu erhalten. Das Vertrauen in die Angaben des Mannes war damit stark erschüttert.
Zunächst behauptete der Mann, er habe einen Taxifahrer angerufen, später, wie Legal Futures berichtet, könnte die Stimme von ChatGPT stammen. Die Richterin wies diese Behauptung als nicht glaubwürdig zurück. Die Aussagen des Mannes wurden nicht berücksichtigt und spielten letztlich keine entscheidende Rolle für das Verfahren.
Der Vorfall wirft Fragen nach dem Einsatz moderner Technologie vor Gericht auf. Während smarte Geräte in vielen Bereichen des Lebens praktische Anwendungen finden, stellen sie im juristischen Kontext eine potenzielle Gefahr für die Wahrheitsfindung dar. Die Technologie hat längst Einzug in den Rechtsraum gehalten, und mit ihr auch die Notwendigkeit, klare Regeln für ihren Einsatz zu schaffen.
Die Entscheidung der Richterin unterstreicht, dass die Glaubwürdigkeit von Zeugen angesichts solcher technischer Hilfsmittel besonders sorgfältig geprüft werden muss. Die Möglichkeit, sich heimlich Informationen zu beschaffen, untergräbt das Fundament eines fairen Prozesses.
Die Verwendung von smarten Geräten im Gerichtssaal wird in Zukunft sicherlich intensiver diskutiert. Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen dieser Vorfall für den Umgang mit Technologie im juristischen Kontext haben wird.
Die Technologie bietet zwar neue Möglichkeiten, doch sie darf nicht dazu führen, dass die Integrität des Gerichts gefährdet wird.
