Spritpreise explodieren trotz günstiger flugtickets – was steckt dahinter?

Die Tankstellenpreise sind durch den Krieg im Iran in die Höhe geschossen. Doch Fluggesellschaften locken mit vermeintlich günstigeren Flügen. Ein Rätsel? BILD klärt auf.

Wie airlines den preisanstieg umgehen

Wie airlines den preisanstieg umgehen

Kerosin für Flugzeuge ist ebenso teuer geworden. Warum bieten Lufthansa & Co. trotzdem Angebote an? Die Antwort liegt in einer Kombination aus cleveren Finanzstrategien und einem überraschenden Wettbewerbsdruck.

Lufthansa setzt zwar auf höhere Treibstoffzuschläge – allerdings nur für Prämienflüge, die Kunden mit Bonusmeilen buchen können. Für reguläre Flüge, besonders auf stark frequentierten Strecken, scheint dies vorerst tabu. Insider berichten, dass die Standardkunden aktuell eher mehr bezahlen müssen, insbesondere auf Reisen in den Sommerferien zum Mittelmeer.

Doch die Situation ist komplexer. Flüge in die USA, beispielsweise, sind aufgrund eines großen Angebots vieler Airlines bereits deutlich günstiger geworden. Die Nachfrage nach Reisen dorthin ist seit Monaten rückläufig – getrieben von Faktoren wie der US-amerikanischen Wirtschaftslage, hohen Verbraucherpreisen und unklaren Einreisebestimmungen. Das Ergebnis: Economy-Flüge nach New York von Airlines wie Finnair, American Airlines, British Airways und Iberia sind ab Deutschland ab 356 Euro (plus Gepäck) erhältlich – etwa 50 Euro günstiger als üblich.

Ein weiterer Trick: Viele Fluggesellschaften nutzen Hedging-Programme. Diese ermöglichen es, zukünftige Kosten im Voraus zu sichern und kurzfristige Preisschwankungen abzufedern. Lufthansa kauft also nicht jeden Tag Kerosin zum aktuellen Marktpreis, sondern sichert sich einen Teil der zukünftigen Kosten ab. Das funktioniert wie ein Preisschutz, allerdings ohne, dass der Konzern bei sinkenden Ölpreisen vollständig profitiert.

Experten kritisieren zudem die Mehrwertsteuer auf die CO2-Abgabe, die die tatsächlichen Spritpreise nicht voll widerspiegelt. Sie fordern Entlastungen an der Tanke. Bleibt der Ölpreis über Monate hoch, werden Airlines ihre Strategien überdenken müssen. Die aktuelle Situation ist ein Balanceakt zwischen Kostenkontrolle und Kundenbindung – und ein deutliches Zeichen dafür, dass die Reisekosten noch lange nicht ihren Tiefpunkt erreicht haben.

Die 356 Euro nach New York sind ein Angebot, aber die Rechnung wird teurer. Die Frage ist nicht, ob die Preise fallen, sondern wie lange die Kunden bereit sind, diese zu tragen.