Studentenkarzer in göttingen: vom strafgefängnis zum touristenmagnet
In der mitteldeutschen Universitätsstadt Göttingen gibt es eine Attraktion, die nicht nur Studierende, sondern auch Touristen anzieht: den ehemaligen Studentenkarzer der Georg-August-Universität. Dieser sehr karge Raum mit Holzbank, Tisch, Abort und winzigem Fenster war fast 200 Jahre lang in Betrieb und war für Vergehen wie Trunkenheit, verbotene Duelle oder öffentliches Urinieren bestimmt.
Die geschichte des karzers
Die Universität nutzte den Karzer seit 1735, um sogenannte außeruniversitäre Umtriebe einzudämmen. Unter den Bestraften waren unter anderem Trunkenheitsfälle, verbotene Duelle und öffentliches Urinieren. Die Strafen reichten von Geldbußen bis hin zu zwei Wochen Haft. Zwar war die Universität für solche Gerichtsverfahren privilegiert, aber es ist bemerkenswert, dass der Studentenkarzer in Göttingen so lange in Betrieb blieb.
Die Haftbedingungen wurden im Lauf der Zeit lockerer, Essen durfte bestellt werden und die Insassen verewigten sich mit Zeichnungen und Sprüchen an den Wänden. Ein Häftling nannte den Karzer sogar 'Haus der akademischen Freiheit'. Die Strafe verlor ihre Abschreckungskraft, und es galt fast als Auszeichnung, ein paar Tage eingesessen zu haben. Der Haftzettel wurde zu einem Erinnerungsstück.

Einzelne insassen
Einige der bekanntesten Insassen waren Otto von Bismarck, der in Göttingen Jurastudium aufnahm und in nur drei Semestern insgesamt 18 Tage im Karzer verbrachte. Sein erstes Vergehen war das Fensterwechseln. Insgesamt stand er neunmal vor dem Universitätsgericht, darunter wegen Duellen und öffentlichem Rauchem.
Der Studentenkarzer ist heute restauriert und Teil von Stadtführungen. Die alten Wandzeichnungen sind noch gut erhalten und machen aus dem einstigen Strafort einen zentralen Teil von Göttinger Geschichte.
