Tankstopp am ostersonntag: die 12-uhr-regel täuscht

Die versprochene Entlastung an den Tankstellen bleibt eine Illusion. Während die Politik mit der sogenannten 12-Uhr-Regel für Aufsehen sorgte, steigen die Preise unaufhaltsam weiter – und das trotz der gesetzlichen Beschränkung, wann Tankstellen ihre Preise neu festlegen dürfen. Der Ostersonntag offenbarte die bittere Wahrheit: Autofahrer mussten erneut tief in die Tasche greifen, während die Maßnahme im besten Fall eine Kostenspielerei darstellt.

Die preisspirale dreht sich weiter

Die preisspirale dreht sich weiter

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nach 12 Uhr kletterte der Preis für Superbenzin im Bundesdurchschnitt auf 2,30 Euro pro Liter, Super E10 auf 2,24 Euro und Diesel auf schmerzhafte 2,49 Euro – ein neuer Rekord. Im Vergleich zum Vortag mag der Anstieg von 0,5 Cent gering erscheinen, doch im Vergleich zum Sonntag der Vorwoche ist die Erhöhung erschreckend: 18 Cent mehr für Superbenzin, 23 Cent für E10 und gar 22 Cent für Diesel. Diese Entwicklung ist nicht nur für den Geldbeutel der Autofahrer schmerzhaft, sondern unterstreicht auch die Fragwürdigkeit der politischen Intervention.

Berichte von BILD-Reportern aus Köln, Hamburg und dem Rhein-Main-Gebiet dokumentieren das Ausmaß der Preisexplosion. An einer Shell-Tankstelle in Eschborn schnallte der Dieselpreis kurz nach 12 Uhr gar alarmierende 3,04 Euro pro Liter an. Das lässt den Eindruck entstehen, dass die Tankstellenbetreiber die Regelung lediglich zu ihrem Vorteil ausnutzen, indem sie die Preise kurz vor 12 Uhr drastisch anheben und dann – im Rahmen der neuen Bestimmungen – leicht erhöhen.

Die Taktik, „richtig“ zu tanken, um zumindest geringe Ersparnisse zu erzielen, verliert zunehmend an Bedeutung. Denn das generelle Preisniveau ist schlichtweg zu hoch, gespeist durch einen weiterhin angespannten Ölmarkt, der keinerlei Anzeichen einer Entspannung zeigt. Apps wie „Clever Tanken“ können zwar helfen, den günstigsten Anbieter in der Nähe zu finden, doch sie können die grundsätzliche Teuerung nicht aufhalten.

Kurz vor der Einführung der 12-Uhr-Regel lagen die Preise bei 2,23 Euro für Superbenzin, 2,17 Euro für E10 und 2,42 Euro für Diesel. Bereits kurz nach 12 Uhr stiegen sie um rund 7 Cent an. Das verdeutlicht: Die Regelung ist bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein – und schlimmstenfalls eine Ablenkung von den eigentlichen Problemen, die zu den hohen Preisen führen.

Die Politik sollte sich nicht mit symbolischen Gesten zufrieden geben, sondern die strukturellen Ursachen der Preisexplosion angehen. Sonst bleibt die 12-Uhr-Regel lediglich ein teures Spiel mit den Autofahrern – und das während die Tankstellen ihre Kassen füllen.