Teheran im krieg: reporter erleben bombardements-nacht – cnn-korrespondent pleitgen berichtet
Teheran, Iran – Während die Welt aufmerksam verfolgt, wie die Spannungen zwischen den USA und Israel im Iran eskalieren, hat CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen einen seltenen Einblick in die Realität der Hauptstadt geboten. Der Journalist, der als einziger internationaler Reporter live aus dem Iran berichten konnte, schildert in einem Podcast die erschreckenden Bedingungen mitten im Krieg.
Kaum schutz, ständige angst
Pleitgen berichtet von einer Stadt ohne funktionierende Warnsysteme: Keine Sirenen, keine Apps, keine Bunker. Stattdessen hört man die Einschläge oft erst, wenn die Bomben bereits fallen. „Man hört eigentlich fast dauerhaft, dass es dort Einschläge gibt. Man kann sich dort eigentlich nie entspannen.“
Die Lage in Teheran ist besonders belastend, da die amerikanische und israelische Luftwaffe die Stadt nach Belieben bombardieren kann. „Es regnet Öl“, beschreibt Pleitgen drastisch einen Angriff auf eine Öl-Installation. Ein riesiger Ölspeicher steht in Flammen, Rauch und Ruß hängen über der Stadt, und an Tankstellen bilden sich lange Schlangen aus Angst vor Treibstoffknappheit.

Leben unter druck
Die Folgen des Krieges sind für die Zivilbevölkerung verheerend. Nach einem Luftangriff auf eine Sicherheitsanlage wurde ein Wohnhaus zerstört. „Da haben wir Leute gesehen, die ihre Sachen aus den Trümmern holen, voller Staub“, erzählt Pleitgen. Bewohner berichten von der enormen Druckwelle der Bomben.
Das CNN-Team arbeitete unter extremen Bedingungen, Schlaf war Mangelware. Nachts berichteten sie live für die USA, während oft schon die nächsten Bombardierungen begannen. Politischen Druck spüren sie ebenfalls: CNN darf im Iran nur mit Genehmigung der Behörden arbeiten, viele Drehorte mussten vorher angemeldet werden. „Was man nicht machen darf, ist zum Beispiel Sicherheitsinstallationen zeigen“, erklärt Pleitgen. Und die Behörden melden sich, wenn ein Bericht nicht gefällt.
Zukunft ungewiss
Trotz der Kritik – auch von Teilen der iranischen Opposition – verteidigt Pleitgen seine Reise. Er betont, dass nur vor Ort eine ehrliche Darstellung der Ereignisse möglich ist. Er ist skeptisch hinsichtlich der Zukunft des Iran, anders als die offiziellen Aussagen der Trump-Regierung. Zwar sei das Regime militärisch geschwächt, doch ein Zusammenbruch sei nicht sicher. Der Machtapparat sei „riesengroß“ und könne sich neu organisieren.
Gleichzeitig sieht Pleitgen große Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Viele Menschen seien müde von Krieg, Sanktionen und wirtschaftlicher Krise. Sollte der Konflikt enden, stehe das Regime vor der gewaltigen Aufgabe, ein Land wiederaufzubauen, dessen Infrastruktur zerstört und weiterhin unter Sanktionen leidet. Die große Frage wird sein: Was kommt danach?
Pleitgens Bericht ist eine eindringliche Mahnung, dass die Eskalation im Nahen Osten weitreichende Folgen hat – und die Menschen vor Ort am meisten leiden.
