„Traumschiff“-schock: zdf küsst die tabus – liebesnacht auf island!

Island, Ostersonntag, das ZDF-„Traumschiff“ – und plötzlich weht ein ungewöhnlicher Wind über die Brücke. Kapitän Max Parger, alias Florian Silbereisen, steuert sein Schiff nicht nur durch eisige Fjorde und in die Welt der Elfen, sondern auch in eine Liebesgeschichte, die Jahrzehnte andauerte und nun ihre überraschende Vollendung findet. Ein Kuss, der mehr als nur ein zärtliches Zeichen ist, sondern ein mutiger Paukenschlag für die öffentlich-rechtliche Anstalt.

Verlorene jugendliebe und zweite chancen

Die Geschichte dreht sich um Evelyn Küpper (Saskia Vester, 66) und ihre Enkelin Ronja (Rosa von Lobenstein, 25), die auf Island eine Reise antreten. Doch das Reiseziel wird zur Bühne einer Wiedervereinigung, die das Leben von Evelyn für immer verändern wird. Dort trifft sie auf Antonia, genannt Toni (Michaela May, 74), ihre Jugendliebe, in die sie einst, vor über 40 Jahren, verknallt war. Eine Liebe, die zu einer Zeit gesellschaftlicher Konventionen und verborgener Gefühle blühte, und die Evelyn damals nicht leben konnte.

Die Vergangenheit holt die Gegenwart ein: Evelyn, die zwischenzeitlich einen Mann heiratete, Mutter und Großmutter wurde, lässt sich nun von den alten Gefühlen erneut überwältigen. Als sich die beiden Frauen auf Tonis Hof gegenüberstehen, sprühen die Funken. Ein Kuss, der mehr als nur ein Kuss ist – ein Versprechen, eine Befreiung, eine lange überfällige Geständnis.

„Ein bisschen wie ‚brokeback mountain‘“

„Ein bisschen wie ‚brokeback mountain‘“

Saskia Vester und Michaela May, die sich zuvor noch nie gemeinsam vor der Kamera befanden, beschreiben die Dreharbeiten als „lustig und toll“. Vester vergleicht die Situation humorvoll mit dem Kinoklassiker „Brokeback Mountain“, in dem eine homosexuelle Liebesbeziehung im Texas der 60er Jahre thematisiert wird. „So ist es bei Evelyn und Toni ja auch. Sie verliebten sich zu einer Zeit, in der es gesellschaftlich nicht geduldet war“, so Vester.

Das ZDF habe hier den Mut bewiesen, ein wichtiges und gesellschaftlich relevantes Thema anzusprechen. Der Paragraf 175, der bis 1994 in Kraft war, verbot die Homosexualität in Deutschland. „Das muss man sich mal vorstellen“, betont Vester. „Viele Menschen haben sich nicht getraut, zu ihren Gefühlen zu stehen.“

Eine liebe, die über jahrzehnte schwelte

Eine liebe, die über jahrzehnte schwelte

Michaela May, die bereits dreimal auf dem „Traumschiff“ zu Gast war, unterstreicht, dass es ihr nicht um das Geschlecht der Liebesgeschichte gehe, sondern um die universelle Sehnsucht nach einer verlorenen Liebe. „Wenn man das Glück erleben darf, eine verlorene Liebe wiederzufinden, ist es letztendlich egal, ob es eine Frau oder ein Mann ist“, sagt sie. „Beide Frauen trugen eine Sehnsucht in sich, die über viele Jahre in ihren Herzen geschmort hat.“

May fügt hinzu: „Man erlebt nicht so viele große Lieben in seinem Leben, das ist meine Lebenserfahrung.“ Ein Satz, der im Gedächtnis bleibt: „Es ist eigentlich egal, es ist ein bisschen angenehmer, eine Frau zu küssen, weil sie einem nicht so in die Nase piekst, wie ein unrasierter Mann das tut.“ Ein unerwarteter Seitenhieb, der das Lachen auf die Lippen treibt, aber auch die Offenheit und den Humor der beiden Schauspielerinnen unterstreicht.

Die neue Folge des „Traumschiffs“ ist nicht nur eine Reise in die atemberaubende Landschaft Islands, sondern auch eine Reise zu den eigenen Gefühlen – und ein Zeichen dafür, dass Liebe keine Grenzen kennt, weder gesellschaftliche noch zeitliche.