Ulmen-fernandes: warum schweigen die männer?

Die Anschuldigungen gegen Christian Ulmen hallen nach, und eine beunruhigende Stille breitet sich aus – eine Stille der Männer. Während die Debatte um sexuelle Übergriffe und digitale Gewalt tobt, sind männliche Stimmen überraschend rar. Ist es eine kollektive Verdrängung? Eine stille Billigung? Oder sitzen wir Männer tatsächlich im Glashaus, unfähig, über unsere eigenen Abgründe zu sprechen?

Die unbequeme wahrheit: ist strukturelle gewalt eine realität?

Als jemand, der das deutsche Medienleben seit Jahrzehnten verfolgt, habe ich viel gesehen. Ich bin kein Social-Media-Experte – das ist mir auch gut so. Aber die Frage, warum sich so wenige Männer zu Wort melden, ist schmerzhaft. Die Behauptung, es gäbe eine „strukturelle Gewalt“ in unserer Gesellschaft, ist zunächst einmal irritierend. Bedeutet das, dass der Mann als biologisches Geschlecht per se gewalttätig ist? Natürlich nicht. Aber die schreckliche Häufigkeit von Sexualstraftaten gegen Frauen und Mädchen – die Zahlen sind alarmierend – lässt den Verdacht auf ein tief verwurzeltes Problem aufkommen. Es betrifft nicht nur die Unterschicht, sondern auch, und das ist noch besorgniserregender, die Oberschicht.

Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass ich in meinem Leben niemals eine Frau sexuell oder sexualisiert digital missbraucht habe. Und auch keine körperliche Gewalt. Das sollte selbstverständlich sein. Ein Satz, der keiner weiteren Erklärung bedarf. Aber die Tatsache, dass ich das überhaupt erklären muss, zeigt das Ausmaß des Problems.

Es ist unerträglich, dass in Deutschland nur etwa jeder zehnte Fall von Vergewaltigung zu einer Verurteilung führt. Das ist nicht nur ein Versagen der Justiz, sondern ein Signal an Täter und Opfer gleichermaßen: Die Gesellschaft nimmt dieses Thema nicht ernst genug. Ich wünsche mir einen Ermittlungseifer, der dem Fall Habeck gerecht wird – mit derselben Intensität und dem gleichen Aufwand.

Die spirale des schweigens: warum opfer angst haben

Die spirale des schweigens: warum opfer angst haben

Warum schweigen die Betroffenen so lange? Warum bleiben sie oft bei ihren Tätern? Die Angst vor Unglauben, vor Stigmatisierung, vor einem erneuten Trauma – all das hält Frauen davon ab, Anzeige zu erstatten. Und wenn sie es doch tun, werden sie oft mit Skepsis und Misstrauen begegnet. Das ist nicht akzeptabel.

Es ist leicht, über Marianne Bachmaier zu sprechen, die 1981 im Gerichtssaal den Mann erschoss, der ihre Tochter missbraucht hatte. Damals empfand ich eine gewisse Sympathie für sie – eine Sympathie, die bis heute andauert. Aber Selbstjustiz ist keine Lösung. Sie ist ein Symptom eines tiefer liegenden Problems: Einem System, das Opfer im Stich lässt und Täter schützt.

Mehr gefängnisse, weniger gesetze?

Mehr gefängnisse, weniger gesetze?

Die Diskussion um Deepfakes und andere digitale Missbräuche wird uns noch lange begleiten. Möglicherweise brauchen wir neue Straftatbestände, um mit diesen neuen Formen der Gewalt umzugehen. Aber im Grunde genommen glaube ich, dass wir nicht mehr Gesetze brauchen. Wir brauchen mehr Gefängnisse. Für die, die es verdient haben. Und wir brauchen eine Gesellschaft, die endlich aufwacht und sich gegen jede Form von Gewalt und Missbrauch stellt – unabhängig vom Geschlecht, der Herkunft oder dem sozialen Status.

Die Stille der Männer muss enden. Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen und ein Zeichen zu setzen. Denn die Würde der Frau ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.