Union und st. pauli teilen punkte – kiezklub verpasst chance

Berlin – Ein müdes Unentschieden, das niemand wirklich feiern kann: Union Berlin und St. Pauli trennten sich gestern Abend mit 1:1. Für die Eisernen verpuffte das Ergebnis, die erhoffte Sprungversicherung in der Bundesliga-Tabelle bleibt aus. Auch für die Hamburger war es ein Teilsieg, der die unmittelbare Abstiegsgefahr nicht bannte – eine Reise in den Osten Berlins bleibt für den Kiezklub weiterhin eine unangenehme Angelegenheit.

Elf jahre ohne triumph: st. paulis fluch in köpenick

Die Erinnerung an den letzten Sieg in Köpenick liegt weit zurück: Seit elf Jahren müssen sich die Fans von St. Pauli mit einer Niederlage oder einem Unentschieden zufrieden geben. Doch gestern schien es, als könnte sich dieser Fluch endlich in Luft auflösen. Die Hamburger starteten furios, angetrieben von einem glänzenden Mathias Pereira Lage. Der französische Angreifer, erst im Sommer gekommen, ließ die Berliner das Netz zappeln und markierte in der 25. Minute mit einem satten Schuss das 1:0 – ein Tor, das mit 118 km/h über die Ziellinie flog, sein zweites Saisontor.

Doch der frühe Jubel sollte trügerisch sein. Im Mittelpunkt stand vor allem St. Paulis Torwart Nikola Vasilj, der nach seiner Sensationellen Leistung bei der WM-Qualifikation gegen Italien (4:1 i.E.) auch gegen Union alles in Bewegung setzte. Paraden gegen Doekhi (5.), Burke und Köhn (beide 40.) hielten die Hamburger im Spiel, doch nach der Pause schöpfte Union neue Energie.

Vasilj zwischen genie und wahnsinn – ein patzer, den er wiedergutmacht

Vasilj zwischen genie und wahnsinn – ein patzer, den er wiedergutmacht

Die Szene, die sprach: Vasilj, der bosnische WM-Held, spielte nach einer Stunde den Ball unbedrängt Schäfer in die Füße. Ein Patzer von höchster Güte! Doch Vasilj bewies seine Nervenstärke und parierte in höchster Not gegen einen Berliner, zudem hielt er auch Burkes Nachschuss. Ein echter Wahnsinn von einem Mann.

Die Partie erreichte ihren Höhepunkt, als Jackson Irvine nach zwei Fouls in der Nachspielzeit die Ampelkarte erhielt. Und als ob das nicht genug wäre, sah Co-Trainer Peter Nemeth wegen Meckerns ebenfalls die rote Karte. Ein chaotisches Finale, das die ohnehin angespannte Situation bei St. Pauli weiter verkomplizierte.

Alexander Blessins Reaktion war angesichts der Umstände verständlich. „Meine Frau hat gesagt, ich bin ein wenig aggressiver im Tonfall. Ich habe das an mir selbst noch nicht bemerkt, aber wenn meine Frau das sagt, dann wird es schon stimmen“, gab der Trainer zu. Ein Einblick in das Innenleben eines Trainers unter Druck – und ein Beleg dafür, dass auch der emotionalste Fußballmensch nicht immer die Fassung wahrt.

Die Punkteteilung lässt beide Mannschaften im Abstiegskampf vorerst ohne klare Verbesserung. Für St. Pauli heißt es nun: Die Hausaufgaben zur Abwehr der Abstieggefahr müssen mit weniger Personal erledigt werden.