Vasilj: von genie zu böck, dann wieder held – st. pauli rettet unentschieden

Nikola Vasilj, der bosnische Schlussmann des FC St. Pauli, lieferte in Berlin ein Spiel ab, das zwischen blankem Entsetzen und heldenhafter Rettung schwankte. Das 1:1 gegen Union Berlin offenbarte erneut die beunruhigende Ambivalenz des Keepers: Ein Mann, der Momente von außergewöhnlichem Können mit gravierenden Fehlern verbindet, die einem das Herz stehen lassen.

Der patzer, der so gefährlich war

Der patzer, der so gefährlich war

Schon in der ersten Halbzeit ließ Vasilj seine Kollegen und Fans zittern. Ein unbedachter Ballbesitzverlust im eigenen Strafraum, direkt in die Füße von Union-Kapitän Schäfer, hätte die Partie dramatisch wenden können. Die Erinnerungen an ähnliche Patzer in der WM-Qualifikation gegen Italien (0:1 im Finale) und in der Hinrunde gegen Gladbach (0:4-Pleite) kamen zurück – ein Muster, das sich hartnäckig hält. Doch dieses Mal sollte das Glück auf der Seite der Kiezkicker stehen.

Vasilj selbst schien von seinem eigenen Fehler schockiert. „Im ersten Moment konnte ich nicht glauben, was passiert ist“, gestand er in einem seiner seltenen Interviews auf Deutsch. „Dann bin ich in dieser Aktion geblieben, habe die Parade gemacht.“ Eine Parade, die er verzweifelt benötigte, um seinen Fauxpas wiedergutzumachen – und sie gelang ihm, zunächst gegen Schäfer selbst, dann gegen Burke. Die Tatsache, dass er dabei im Unterleib getroffen wurde, ließ ihn gelassen erscheinen: „Er hat nicht genau die Mitte getroffen.“

Die Partie war von einer erstaunlichen Intensität geprägt. Bereits vor dem folgenschweren Fehler hatte Vasilj seine Klasse bewiesen, mit Glanzparaden gegen Doekhi, Burke und Köhn. Er war stets im Zentrum des Geschehens, ein ständiger Faktor für die Defensive des FC St. Pauli. Der Punktgewinn in Berlin war letztlich ein Unentschieden, das niemand wirklich feiern konnte – Union verpasste die Chance zur Tabellenfestigung, während St. Pauli sich mit dem Remis begnügen musste.

Doch für Vasilj persönlich war es mehr als nur ein Punkt. Nach einer turbulenten Woche, geprägt von der erfolgreichen WM-Qualifikation, ausgelassenen Feierlichkeiten in Bosnien und den damit verbundenen Strapazen, konnte er zumindest ein wenig durchatmen. Und angesichts der bevorstehenden WM im Sommer und der baldigen Geburt seines ersten Kindes liegt der Fokus nun klar auf dem Klassenerhalt mit dem FC St. Pauli. Ein Ziel, das angesichts seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten und seines unberechenbaren Charakters alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.