Verbrenner-debatte: ig metall wählt überraschend andere seite
Berlin – Der Streit um das Verbrenner-Aus in Deutschland spitzt sich zu, und eine überraschende Wendung kommt von einer Quelle, die man in dieser Form so nicht erwartet hätte: Die IG Metall, traditionsgemäß eng mit der SPD verbunden, stellt sich nun in zentralen Punkten auf die Seite der CDU. Ein Erdbeben in der deutschen Autoindustrie, das die Ampel-Koalition vor eine Zerreißprobe stellt.
Die gewerkschaft gegen den koalitionspartner
SPD-Wirtschaftspolitiker Sebastian Roloff schoss unlängst scharf gegen die ständigen Änderungswünsche beim Verbrenner-Aus. Er argumentiert, dass diese ständigen Korrekturen dem Standort Deutschland schadeten und Planungssicherheit untergraben. Doch seine Forderung nach Konzentration auf die Antriebswende findet wenig Gehör im eigenen Lager. Denn IG-Metall-Chefin Christiane Benner mahnt nun deutlich zur Vorsicht und fordert „mehr Flexibilität“ für die Autoindustrie – insbesondere im Hinblick auf die Arbeitsplätze bei Zulieferern. Die aktuelle EU-Kommissionsplanung, so Benner, gehe nicht weit genug.
Die Gewerkschaftschefin räumt zwar ein, dass sie grundsätzlich einen klareren Kurs Richtung Elektroauto wünscht. Dennoch warnt sie eindringlich vor den Folgen für die Beschäftigten, vor allem in der Zulieferindustrie, wo massive Jobverluste drohen, sollte der Verbrennungsmotor zu schnell vom Markt verschwinden. Ein pragmatischer Ansatz, der auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Reichweitenverlängern länger erlaubt sehen soll – eine Position, die auffällig mit der der CDU übereinstimmt.

Union und ig metall im gleichklang
CDU-Klimapolitiker Mark Helfrich stimmt ihr Echo bei, indem er ebenfalls „größtmögliche Flexibilität“ fordert, um Klimaschutz und Arbeitsplätze in Einklang zu bringen. Der Hintergrund ist das geplante EU-Verbrenner-Aus ab 2035, das nun durch den Vorschlag der Kommission einer Abschwächung geweiht scheint: Statt eines vollständigen Aus sollen die Herstellerflotten ihre Emissionen um 90 Prozent gegenüber 2021 senken.
Die Lage droht sich weiter zu verkomplizieren. Sollte sich die Bundesregierung nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen können, müsste Deutschland im EU-Ministerrat sich enthalten – ein Szenario, das sowohl SPD als auch Union zu befürchten geben. Die Zeichen stehen auf einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft, der die Zukunft der deutschen Automobilindustrie und die Arbeitsplätze von Millionen Menschen bestimmen könnte. Die Zahl der Beschäftigten in der Zulieferindustrie, die von den neuen Regelungen direkt betroffen sind, liegt bei über 800.000 Menschen.
