Weniger flüchtlinge in deutschland – doch die lücke klafft weiter
Berlin – Die Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland ist im vergangenen Jahr leicht gesunken, doch diese Entwicklung birgt Tücken. Rund 3,53 Millionen Menschen leben zum 31. Dezember in dem Land – eine leichte Abnahme gegenüber den 3,54 Millionen des Vorjahres. Eine scheinbar geringe Differenz, die aber ein komplexes Bild zeichnet.

Rückgang, aber keine entlastung
Hinter der Zahl steckt ein deutlicher Wandel: 2025 verzeichnete Deutschland mehr Ausreisen, Abschiebungen und Gebürgerungen als neue Ankünfte. Die hohe Zahl der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine mit 1,33 Millionen stellt zwar einen bedeutenden Anteil dar, doch die Situation ist vielschichtig. Knapp 707.000 Menschen sind als Flüchtlinge nach der Genfer Konvention anerkannt.
Die Linke kritisiert diesen Rückgang scharf. Innenpolitikerin Clara Bünger sieht darin ein Warnsignal: „Immer weniger Schutzbedürftige schaffen es über die hochgerüsteten EU-Außengrenzen.“ Ein Sonderstatus für ukrainische Flüchtlinge – ohne Asylverfahren und mit direkter Arbeitserlaubnis bis März 2027 – hat zwar kurzzeitig zu einem Anstieg der Zuwanderung geführt. Ende August erlaubte die ukrainische Regierung jungen Männern bis 22 Jahren die Ausreise, was im September und Oktober zu einem deutlichen Anstieg der Registrierungen führte. Doch der Effekt war nur von kurzer Dauer.
Die Zahlen zeigen: Im Dezember wurden lediglich noch 6.198 Einreisen ukrainischer Staatsangehöriger registriert, darunter 1.489 Männer im Alter von 18 bis 22 Jahren. Die Sonderregelungen, die die Zuwanderung von Ukrainern erleichtern, haben zwar kurzfristig geholfen, doch die zugrunde liegenden Probleme – die Überlastung der EU-Außengrenzen und die schwierige Lage in der Ukraine – bleiben bestehen. Die Zahlen verdeutlichen: Die Flüchtlingspolitik ist weiterhin eine Zerreißprobe für Europa.
