Werder bangt: fehlende durchschlagskraft kostet gegen leipzig den sieg
Die Nordtribüne verstummte in der Nachspielzeit – nicht vor Freude, sondern vor Enttäuschung. Werder Bremen, gegen alle Erwartungen eine Stunde lang ebenbürtig gegen RB Leipzig, kassierte eine knappe 1:2-Niederlage, die die Frage nach der fehlenden Durchschlagskraft in der Offensive erneut aufwirft. Ein später Treffer durch Musah (90.+4) ließ lediglich erahnen, was hätte sein können, während die zuvor verpassten Gelegenheiten schmerzlich in Erinnerung blieben.

Die bittere diagnose von clemens fritz: abschlussqualität fehlt
Manager Clemens Fritz sprach nach dem Spiel Klartext: „Uns hat die Abschlussqualität, gerade in der ersten Halbzeit, gefehlt.“ Ein Urteil, das Trainer Daniel Thioune in gleichem Maße teilt: „Es fehlte Effizienz und Durchschlagskraft in der gegnerischen Box. Wir haben die Chance mit Romano Schmid vergeben und bekommen im Gegenzug das Tor, weil der Gegner einfach effizienter ist.“ Die Erinnerung an das Spiel in Wolfsburg, in dem Werder durch einen glücklichen Abpraller in Führung ging, wirkt in diesem Kontext fast wie eine Ironie – ein Beweis dafür, dass es eben nicht immer reicht, lediglich Gefahr auszustrahlen.
Anders als so oft in der Saison lag das Problem nicht an mangelnder Gegenwehr. Werder präsentierte sich defensiv solide und arbeitete unermüdlich gegen den Ball. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn selbst bei bestem Defensivverhalten nützt es wenig, wenn die Angriffe im letzten Drittel an Kraft verlieren. Die Bilanz von Marco Grüll, dem österreichischen Landsmann von Schmid, verdeutlicht das Problem auf beunruhigende Weise. 60 Minuten lang schwebte er über den rechten Flügel, unermüdlich in Bewegung, doch am Ende sprang wenig Zählbares heraus: ein einziger Treffer in 1870 gespielten Minuten – eine erschreckend schwache Ausbeute.
Thioune bemühte sich, die Situation zu relativieren: „Wenn wir in allen Bereichen oberstes Regal wären, wären wir nicht 14., sondern ganz weit oben.“ Doch die Wahrheit ist ungeschminkt: Werder Bremen braucht dringend mehr Torgefahr. Grüll selbst scheint unter dem Druck zu leiden; seine Arbeitsbiene-Metapher trifft den Nagel auf den Kopf – Fleiß, aber keine Süßigkeit. Die Einwechslung von Jovan Milosevic, der zumindest ansatzweise Gefahr ausstrahlte, wirft die Frage auf, ob in der Hinterhand doch noch eine Lösung schlummert. Salim Musah, der Joker, lässt zumindest hoffen, aber auf einzelne Ausnahmen darf man im Abstiegskampf nicht bauen.
Die Leipziger Effizienz im Abschluss stand in krassem Gegensatz zu der Werderaner Unzulänglichkeit. Ein einziger Schuss, der im Netz landete, während die Bremer Offensivbemühungen im Sande verliefen. Das ist kein Zufall, sondern eine Systemfrage.
Die Ausreden sind verbraucht. Werder Bremen muss sich fragen, wie es gelingen kann, die vorhandenen Spieler besser einzusetzen und die entscheidenden Zentimeter im Abschluss zu gewinnen. Denn solange diese Frage unbeantwortet bleibt, wird der Blick auf die Abstiegszone unweigerlich weiter in Bedrängnis geraten.
