Sorrentinos' "la grazia": italienischer film-hit trotz mattarella-parallelen

Rom – Während deutsche Kinobesucher den Film über ihren Präsidenten ignorieren ließen, feiert Paolo Sorrentinos "La Grazia" in Italien einen unerwarteten Erfolg. Über 750.000 Tickets und mehr als 7 Millionen Euro Einspielergebnis sprechen für sich – und lassen auf ein breiteres Publikum auch in Deutschland hoffen.

Der film, der italien bewegt

Der film, der italien bewegt

Der 133-minütige Film porträtiert den fiktiven italienischen Staatspräsidenten Mariano de Santis. Die Ähnlichkeiten zu Sergio Mattarella sind offensichtlich: Der ältere Jurist, ehemals Verfassungsrichter und frommer Katholik, verkörpert eine Art gereifte Würde. Doch Sorrentino verweist darauf, dass die Figur auch Züge früherer Präsidenten wie Giorgio Napolitano aufweist, dessen Popularität ähnlich hoch war.

Die Inspiration für den Film fand der Regisseur in einem wahren Fall: Im Jahr 2018 begnadigte Mattarella einen Mann, der seine an Alzheimer erkrankte Frau getötet hatte. Die Strafe für den Mann betrug 14 Jahre Haft. Diese Entscheidung muss auch de Santis im Film treffen. Toni Servillo, der die Rolle des Präsidenten verkörpert, wurde für seine Darstellung mit dem Preis für den besten Hauptdarsteller beim Filmfestival in Venedig ausgezeichnet.

Sorrentino nimmt sich künstlerische Freiheiten, die Figur des Papstes ist rein fiktiv. Doch der Film trifft einen Nerv in Italien und bewegt die Menschen. Die parallelen zur Realität sind nicht nur oberflächlich: Der Film thematisiert die Frage nach Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, die in der italienischen Gesellschaft aktuell wie nie zuvor diskutiert wird.

Der Film läuft ab dem 19. März auch in deutschen Kinos. Ob "La Grazia" auch hierzulande ein ähnlicher Erfolg wird wie in Italien, bleibt abzuwarten. Dennoch ist klar: Sorrentino hat mit diesem Film ein Werk geschaffen, das weit mehr als nur eine politische Studie ist – es ist ein tiefgründiges Porträt der menschlichen Natur.