Pratt-skandal: wohnort-vorwürfe erschüttern bürgermeisterwahlkampf

Los Angeles – Der Kampf um den Posten des Bürgermeisters von Los Angeles nimmt eine bizarre Wendung. Der Kandidat Spencer Pratt, der sich bisher als Außenseiter mit überraschend guter Wahlbeteiligung positioniert hat, sieht sich mit heftigen Vorwürfen konfrontiert, er täusche über seinen Wohnsitz vor – eine Voraussetzung für die Teilnahme an der Wahl. Der ganze Wirbel entbrennt inmitten der Folgen eines verheerenden Waldbrandes, der Pratt kürzlich sein Zuhause raubte.

Die anschuldigungen: eine gezielte kampagne?

Die Los Angeles Times hatte kürzlich berichtet, Pratt lebe nicht in der Stadt, sondern in Carpinteria, was die Berechtigung für die Kandidatur in Frage stellen würde. Pratt reagierte prompt mit einem wütenden Ausbruch in den sozialen Medien: „Wollen sie jetzt einen Hetzkampf über meinen Wohnsitz starten? Wollen sie mich dafür angreifen, nicht in den Palisades zu leben, während ich für Bürgermeister kandidiere? Hey, Hirnchirurg, mein Haus hat abgebrannt!“ Der Vorfall wirft Fragen nach der Fairness und dem Niveau des Wahlkampfs auf.

CBS LA versuchte, Pratt für eine Stellungnahme zu erreichen, wurde aber lediglich zu seinem Social-Media-Video weitergeleitet. Darin präsentierte Pratt eine ungewöhnliche Lösung: „Mein Vater hat mit einem SBA-Katastrophenhilfekredit einen Airstream auf mein ausgebranntes Grundstück in den Palisades gekranen.“ Eine höchst unorthodoxe Darstellung, die die Situation weiter verkompliziert.

Die Los Angeles Times hält an ihrem Bericht fest. Ein Sprecher der Zeitung erklärte: „Die Times hat herausgefunden, dass Herr Pratt in Carpinteria lebt und ihn sowie Personen in seinem Umfeld kontaktiert hat. Wir stehen zu unserem Bericht und der Arbeit unserer Journalisten.“ Die Zeitung betont, dass sie ihre Recherche sorgfältig durchgeführt habe und sich nicht von den emotionalen Umständen des Falles beeinflussen ließ.

Ein belangloses detail oder ein entscheidender punkt?

Ein belangloses detail oder ein entscheidender punkt?

Der ehemalige Stadtrat und County Supervisor Zev Yaroslavsky schätzt die Lage pragmatisch ein. „Es ist doch selbstverständlich, dass er sein Zuhause in den Palisades verloren hat. Er muss sich ja irgendwo hinsetzen. Ich bezweifle, dass dies ein Thema ist, das an Bedeutung gewinnt.“ Yaroslavsky und seine Kollegen an der Luskin School of Public Affairs der UCLA haben kürzlich eine Umfrage veröffentlicht, die ein äußerst unsicheres Rennen zeigt. 40 Prozent der Wähler stehen noch unentschlossen da. Die aktuellen Zahlen sehen wie folgt aus: Bürgermeisterin Karen Bass führt mit 25 Prozent, Pratt folgt mit 11 Prozent und Stadträtin Nithya Raman mit 9 Prozent.

In Kaliforniens Wahlsystem treffen im Juni die beiden stärksten Kandidaten im November aufeinander. Erreicht ein Kandidat im Juni mehr als 50 Prozent der Stimmen, gewinnt er die Wahl direkt. Für Pratt eröffnet sich daher eine Chance, die Wählergunst der Unentschlossenen zu gewinnen. „Ich bin hier geboren, ich habe in USC studiert, ich lebe Dodger Blue! Das ist meine Stadt, und ich hole sie zurück“, so Pratt mit kämpferischer Entschlossenheit.

Die Frage bleibt, ob die Wohnort-Kontroverse Pratt tatsächlich schaden wird oder ob sie ihm im Umfeld der unentschlossenen Wähler sogar als Zeichen von Authentizität und Bodenständigkeit begegnen wird. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Airstream in den Palisades zum Symbol seiner Kampagne wird – oder ob er letztendlich seine Chancen auf das Bürgermeisteramt verspielt.