Verlassene deponie wird zufluchtsort: ein naturschutz-eklat

Was einst als Halde verkommen war, singt nun ein Vogelkonzert. Die ehemalige Deponie von Buxton, einst ein Mahnmal menschlicher Eingriffe, hat sich in ein überraschend reichhaltiges Ökosystem verwandelt – ein selbstbestimmter Hain aus Weiden und Birken, umgeben von einer sommerlichen Blütenpracht. Doch diese Idylle steht auf dem Spiel.

Der chor des lebens: ein akustisches wunderwerk

Der chor des lebens: ein akustisches wunderwerk

Die Biodiversität auf Hogshaw, wie die Anlage nun genannt wird, ist erstaunlich: 870 Arten, überwiegend Insekten, haben hier ihr Zuhause gefunden. Diese beiden Pionierbaumarten sind besonders gastfreundlich für Wirbellose, und wo Insekten wimmeln, da ist auch Vogelgezwitscher. Ein kürzlicher Morgengesang-Spaziergang offenbarte bereits 20 verschiedene Arten, darunter Sing- und Mistelrotschwanz, Mauer- und Zaunkönig, Dompfaff und Graspfauchel – allesamt vom British Trust for Ornithology als rot- oder gelb-gelistet eingestuft. Dabei ist der Begriff „Morgengesang“ irreführend, wie ein aufmerksamer Beobachter feststellte: Fledermäuse-Monitore berichteten, dass das Konzert bereits um 3:40 Uhr beginnt und seinen Höhepunkt um 4:30 Uhr erreicht, lange bevor die Sonne aufsteigt.

Bernie Krauses bahnbrechendes Werk „The Great Animal Orchestra“ zeigt, in welcher Weise Klanglandschaften – die gesamte akustische Umgebung – eine Art kollektive Harmonisierung widerspiegeln. Jede Art besetzt dabei nur einen Teil des gesamten Frequenzspektrums, und über Jahrtausende haben die Mitglieder einer natürlichen Gemeinschaft gelernt, diese „Luftwellen“ zu teilen. Hogshaw ist somit in mehrfacher Hinsicht eine Harmonie.

Doch nun droht eine Störung. Der lokale Rat, der High Peak Borough Council, hat der akustischen Vielfalt dissonante Klänge hinzugefügt. Einerseits hat er die Natur notstand in Großbritannien ausgerufen – eine lobenswerte Geste. Andererseits weigert er sich, Hogshaw zu schützen, sondern plant, es in eine „Baulandbank“ für Bauprojekte zu überführen. Ein grotesker Widerspruch, der die Frage aufwirft: Was hat eine Notstandserklärung für sich, wenn sie nicht durch kreative und remedialische Maßnahmen untermauert wird?

Die Anlage gehört größtenteils dem Rat, und es gibt keinen vergleichbaren städtischen Bereich, der so reich an Natur ist. Es ist eine Bankrotterklärung für die Politik, wenn ein solch wertvolles Ökosystem dem kurzfristigen Profit geopfert wird. Die Entscheidung des Rates ist nicht nur kurzsichtig, sondern auch ein Schlag ins Gesicht für all jene, die sich für den Schutz der Natur einsetzen. Die Schönheit und die akustische Vielfalt von Hogshaw sind ein Geschenk, das es zu bewahren gilt, nicht ein Hindernis für den Fortschritt.