Stockton: eine hundehölle am highway?

Die Sonne brennt auf den Highway 4 in Kalifornien, aber das ist nicht die größte Sorge der Tierrettungsorganisationen im San Joaquin County. Es ist die schier unüberschaubare Zahl der ausgesetzten und streunenden Hunde, die sich in Stockton zu einem immer drängenderen Problem entwickelt hat – und die ohnehin schon knappen Ressourcen der Helfer am Limit führt.

Ein teufelskreis aus vernachlässigung und überpopulation

Ein teufelskreis aus vernachlässigung und überpopulation

Jesse Mejia, Gründer von Stockton Street Dogs, schätzt, dass jederzeit zwischen 200 und 300 Hunde durch die Straßen irren. Und sobald die Welpenzeit beginnt, kann diese Zahl auf bis zu 400 ansteigen. „Ein Wurf besteht oft aus acht bis zwölf Welpen“, erklärt Mejia. „Das Problem wird durch Menschen verschlimmert, die ihre Tiere einfach an der Autobahn aussetzen. Wir haben anhand der Chips einige Besitzer ausfindig gemacht, aber die reagieren nicht.“

Es ist ein Teufelskreis: Vernachlässigung, Überpopulation, fehlende bezahlbare Kastrationsprogramme und überfüllte Tierheime lassen kaum Spielraum für Lösungen. Alia Machiwalla von Hungry Tailz Rescue spricht von einem “riesigen Problem”. Seit 2024 hat ihre Organisation über 450 Tiere aus der Not gerettet, oft in Zusammenarbeit mit anderen Gruppen, die Futter, medizinische Versorgung und Unterstützung für Menschen anbieten, die versuchen, sich um Tiere in Obdachlosenlagern zu kümmern.

Die Strategie der Hilfsbereitschaft, ohne zu greifen. Stockton Street Dogs verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Sie greifen nicht direkt ein, sondern konzentrieren sich darauf, die Hunde zu füttern und ihnen eine Chance auf Leben zu geben. „Wir kommen, wir füttern, wir gehen“, so Mejia. Ein pragmatischer Ansatz, der angesichts der schieren Dimension des Problems vielleicht unvermeidlich ist.

Die Situation ist besonders in Stadtteilen wie dem rund um den Louis Park angespannt, so Stadtrat Mario Enríquez. Die Hilfsbereitschaft der Bürger ist beeindruckend: Isabel Guzman, eine Einwohnerin der Stanislaus Street, dokumentiert seit über einem Jahr das Leid der ausgesetzten Hunde in ihrer Nachbarschaft und unterstützt sie.

Doch die Kapazitäten sind begrenzt. „Wir sind alle am Limit“, betont Mejia. „110 Tiere können wir aufnehmen, aber das reicht bei weitem nicht aus.“

Die Rettungsorganisationen rufen nun um Hilfe – nicht nur aus Stockton, sondern aus ganz Amerika. „Wenn jemand das hier sieht und ein Tierheim betreibt oder Platz hat, bitte melden Sie sich“, appelliert Mejia. „Ich habe Hunderte von Hunden, die ein Zuhause suchen. Ob in Texas, New York oder Kanada – ich kann sie transportieren.“

Die Behörden von San Joaquin County und Stockton Animal Services haben sich bislang nicht zu dem Thema geäußert. Eine Schweigsamkeit, die angesichts der humanitären Notlage und der offensichtlichen Überforderung der lokalen Tierrettungsorganisationen mehr als fragwürdig ist. Die Frage ist nicht, ob wir die Hunde retten, sondern wie wir verhindern, dass sie überhaupt erst auf die Straße kommen.