Takko-chef pessina setzt auf discount-mode: mehr als nur günstige basics
Martino Pessina, neuer CEO des Modediscounter Takko, will die Wahrnehmung von Discountmode auf den Kopf stellen. Der gebürtige Italiener setzt auf Qualität, Nachhaltigkeit und eine stärkere Kundenorientierung – ein kühner Schachzug in einem Markt, der oft mit Billigprodukten und einem schlechten Image assoziiert wird.
Pessinas vision: wertigkeit für jeden tag
„Wir haben das intensiv analysiert“, sagt Pessina im Interview mit BILD am Sonntag. „Unsere Analysen zeigen, dass Wettbewerber wie Shein und Temu eher das mittlere Preissegment kanibalisieren.“ Während diese sich an ein jüngeres Publikum richten, das auf Anlässe und Events setzt, zielt Takko auf Kunden, die Mode für den Alltag suchen. Diese Zielgruppe kauft oft Lebensmittel, Drogerieartikel und Kleidung in einem Rutsch – Takko möchte Teil dieser Reise sein.
Ein entscheidender Punkt: Pessina setzt auf stationären Handel. Trotz des digitalen Trends sieht er das Potenzial für den persönlichen Einkauf. „Unsere Kunden lieben die physische Shopping-Journey“, betont er. Das Unternehmen plant, in den nächsten drei Jahren rund 300 Filialen zu eröffnen.

Qualität und nachhaltigkeit trotz niedriger preise
Die Frage, wie Takko trotz niedriger Preise gute Qualität gewährleisten kann, beantwortet Pessina mit einem langfristigen Ansatz. „Es ist keine Abkürzung“, erklärt er. „Gute Qualität für drei Euro und nachhaltig, das kommt nicht von allein.“ Dazu gehören langfristige Beziehungen zu Lieferanten, die Analyse von Materialien und Stoffdicke sowie eine Disziplin im Unternehmen, die unnötige Kosten vermeidet. Das Head Office soll kleiner werden, Strukturen vereinfacht.
Pessina räumt ein, dass er manchmal seine eigene Meinung über Trends und Bestseller hinter sich lässt. „Ich sage, das verkauft sich nicht – und es ist fast immer ein Topseller“, lacht er. Stattdessen setzt Takko auf datengetriebene Entscheidungen.
Die deutsche Wirtschaft sieht Pessina als Europameister, auch wenn sie sich manchmal weniger dynamisch anfühlt als andere Länder. „Deutschland hat immer noch die stärkste Wirtschaft in Europa“, sagt er. Sein Blick auf die deutsche Modebewusstheit ist optimistisch: „Der Unterschied zwischen Mailand und Berlin ist kleiner als zwischen Mailand und einer kleinen italienischen Stadt.“
Während die Konkurrenz durch billige Importe aus China wächst, sieht Pessina darin vor allem eine Herausforderung für das mittlere Preissegment. Takko setzt weiterhin auf das, was seine Kunden wollen: erschwingliche Mode, die gut aussieht und hält. Ob diese Strategie auch langfristig erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten – doch Pessinas Entschlossenheit ist unübersehbar.
n